SGV Freiberg unterliegt Aalen Spätes Gegentor verdirbt Debüt

Von Andreas Eberle
Das bittere Ende für den Neuling: Aalens Joker Jonas Arcalean (rechts) bezwingt in der Nachspielzeit den neuen SGV-Stammkeeper Niclas Heimann zum 2:1 Foto: /Avanti/Ralf Poller

Trotz einer starken Leistung verliert der SGV Freiberg das historische erste Spiel in der Regionalliga gegen Aalen mit 1:2. Barini köpft das Premierentor für den Aufsteiger.

Bei der Regionalliga-Premiere des SGV Freiberg passte am Samstag eigentlich fast alles: die Kulisse im Wasenstadion mit 850 Zuschauern, ein starker Auftritt des Neulings, eine unterhaltsame und spannende Partie. Nur das Entscheidende stimmte nicht: das Ergebnis. Mit 1:2 (1:1) verloren die Wasen-Kicker das Schwabenduell gegen den VfR Aalen. Von dem vielen Lob, das sie von allen Seiten zu hören bekamen, und der Gewissheit, in der Liga mithalten zu können, können sich die Freiberger nichts kaufen. Als einziger der vier Aufsteiger ging der SGV am ersten Spieltag leer aus. „Ich muss meiner Mannschaft dennoch ein Riesenkompliment machen: Sie hat ein sehr gutes Spiel gemacht“, sagte Trainer Ramon Gehrmann.

Mister Zuverlässig patzt

Das bittere Ende kam in der Nachspielzeit. Nach einem Ballverlust von Yannick Thermann, sonst der Mister Zuverlässig im Team, ging’s blitzschnell: Gästekapitän Alessandro Abruscia bediente den eingewechselten Jonas Arcalean, und der bezwang Keeper Niclas Heimann zum 1:2 – worauf die komplette Aalener Bank den Platz stürmte und auch der ohnehin lautstarke VfR-Fanblock außer Rand und Band war.

Lähmendes Entsetzen und Frust herrschten dagegen im Freiberger Lager, was sich auch in den Statements der Profis manifestierte. „Die Niederlage ist sehr bitter und enttäuschend. Wir hatten Aalen am Rande einer Niederlage. Unterm Strich hätten wir Minimum einen Punkt verdient gehabt“, klagte Flügelspieler Christian Mauersberger. „Ich hatte mir erhofft, dass wir punkten und in der Liga von Anfang an ein Zeichen senden, dass wir da sind und mit uns nicht zu spaßen ist. Aber es ist heute in die Hose gegangen“, sagte Rückkehrer Ouadie Barini – und zeigte sich trotzig: „Mit dieser Leistung brauchen wir uns nicht zu verstecken und werden unsere Zähler noch holen. Da bin ich mir sicher.“

Der 31-jährige Torjäger hatte die Wasen-Elf bereits in der vierten Minute in Front geköpft und so den historischen ersten Freiberger Regionalliga-Treffer erzielt. Ausgangspunkt war einer der vielen gefährlichen Eckstöße von Marcel Hofrath gewesen.

Die Hausherren dominierten auch danach das Geschehen auf dem ausgedörrten Rasen und hatten deutlich mehr Ballbesitz und Torabschlüsse als der Tabellenzwölfte der Vorsaison. Das 1:1 zur Pause schmeichelte den Gästen von der Ostalb. In der 31. Minute hatte Aalen mit einer flotten Kombination die SGV-Innenverteidiger Azur Velagic und Jan Koch düpiert – und der wieselflinke Sean-Andreas Seitz traf mit einem platzierten Flachschuss.

Freiberg hatte auch nach der Pause Oberwasser. Amar Cekic scheiterte an VfR-Schlussmann Michel Witte, Marcel Söklers Kopfball verfehlte nach einer weiteren Hofrath-Ecke den Kasten nur um Zentimeter, und Mauersberger schnippelte die Kugel nach einem Solo ebenfalls knapp vorbei. „Das Tragische an dem Spiel war, dass wir uns einfach nicht belohnt haben“, sagte Gehrmann.

Eine Frage der Effektivität

In der letzten halben Stunde zollte der Aufsteiger allerdings seinem hohen Tempo Tribut. Die Spielerwechsel verpufften und brachten den SGV eher aus dem Tritt als dass sie nützten. Dafür kam nun Aalen auf Touren und tauchte mehrfach brandgefährlich vor dem Freiberger Gehäuse auf. Ein Treffer von Paolo Maiella zählte wegen Handspiels nicht (74.). Doch in der Nachspielzeit schlug der frühere Zweitligist dann eiskalt zu – und Freiberg musste erstmals Lehrgeld zahlen.

„In der Regionalliga hast du es in der Offensive mit einer ganz anderen Effektivität zu tun. Das hat man heute gesehen: Aalen hat aus zwei Halbchancen zwei Tore gemacht. Und dann guckst du dich am Ende an und bist enttäuscht, dass du mit leeren Händen dastehst“, sagt Mauersberger. Der 27-Jährige selbst hatte am Rande eines Platzverweises gestanden, weshalb ihn Gehrmann bereits in der 65. Minute vom Feld nahm. „Ich hätte ihn gerne dringelassen, denn er war super im Spiel“, bekannte der Coach.

Barini hofft auf mentale Stärke

Die tragischste Figur war jedoch Rechtsverteidiger Thermann, der das späte 1:2 verschuldet hatte. „Er ist ein Spieler, der eigentlich nie Fehler macht. Das ist schon bitter“, bedauerte Barini seinen Mitstreiter. Nach der Auftaktniederlage sei er nun gespannt auf die Reaktion der Mannschaft. „Jetzt zeigt sich, wie gut wir mental schon sind. Ich hoffe, dass nicht auf andere gezeigt wird, sondern dass wir zusammenhalten.“

Stimmen zum Spiel

Ramon Gehrmann 
Trainer des SGV Freiberg. Wir haben den Gegner 65 Minuten beherrscht. Bis dahin habe ich ein Chancenverhältnis von 14:1 gesehen – und trotzdem steht es nur 1:1. Mit zunehmender Spielzeit sind wir weniger gelaufen, hat die Kompaktheit gefehlt. Am Ende hatten wir zu viele Ballverluste im Zentrum. Ein individueller Fehler hat uns dann den Punkt gekostet, den meine Mannschaft nach ihrer Leistung an diesem Tag auf jeden Fall verdient gehabt hätte. Gegen große Namen und vor vielen Fans zu spielen, macht natürlich Spaß.

Tobias Cramer
Coach des VfR Aalen: Wir wussten um die Schwere der Aufgabe. Ich kenne viele Spieler aus dem SGV-Kader aus meiner Vergangenheit. Entsprechend konnte ich einschätzen, was uns erwartet. Am Anfang hat uns Freiberg viel Stress bereitet. Das 1:0 ist zu Recht gefallen, weil wir noch nicht richtig auf dem Platz waren. Danach haben wir uns reingekämpft. Man hat gesehen, dass wir fit sind und 90 Minuten marschieren können. Mit einem genialen Moment im Zentrum haben wir das 1:1 gemacht. Danach war es ein Abnutzungskampf.  

Christian Mauersberger
SGV-Flügelspieler: Es macht ganz anders Spaß, wenn du auf dem Platz bist und Fangesänge hörst. Dafür spielen wir Fußball. Der Aalener Block hat 90 Minuten lang gesungen und die Mannschaft nach vorne gepeitscht. Ich hoffe, dass sich so ein Support auch mal in Freiberg entwickelt, wenn der Verein weiter Erfolg hat und sich in der Regionalliga hält. Aber so etwas braucht ein paar Jährchen.

Ouadie Barini
Freiberger Torschütze zum 1:0: Wir haben ein wirklich gutes Spiel gemacht, spielerisch gute Akzente gesetzt und waren sehr engagiert. Leider haben wir unsere vielen Möglichkeiten nicht genutzt. Mein Tor hat am Ende leider nicht gereicht. Wir hätten vor allem in der ersten Halbzeit mehr Tore machen müssen.

 
 
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