Soforthilfe für gemeinnützige Vereine Hohe Hürden für die Vereine

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Vereine, deren Arbeit hauptsächlich über das Ehrenamt erledigt wird, und die keine existenzielle Notlage vorweisen können, bekommen auch keine Corona-Soforthilfe.⇥ Foto: dpa

Bis zu 12 000 Euro können gemeinnützige, ehrenamtlich tätige, soziale Vereine beim Sozialministerium beantragen. Doch kaum eine Institution erfüllt die Kriterien.

Wertvolle Arbeit von Vereinen und zivilgesellschaftlichen Organisationen dürfe nicht wegbrechen, verkündete Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha Anfang November. Soziale Hilfe ist, das weiß der Minister auch, vielfach ehrenamtlich organisiert. Das Land verlängere, so der Minister, die Hilfen in Höhe bis zu 12 000 Euro für Vereine, die in seinen Zuständigkeitsbereich fallen: Nachbarschaftshilfen, Offene Hilfen, Tafelvereine, Selbsthilfevereine, Betreuungsvereine, Mehrgenerationenhäuser, Vereine und freie Träger in der Kinder und Jugendarbeit, Familien und Mütterzentren, Migrantenvereine und Organisationen, die überwiegend Integrationsarbeit leisten.

Zwangsläufige Fixkosten

Die Unterstützung erfolgt durch eine einmalige Förderung von maximal 12 000 Euro pro Verein, die nicht zurückgezahlt werden muss. Die Mittel sollen zur Deckung von Fixkosten bei gleichzeitig seit dem 11. März entgangenen Einnahmen (Eintrittsgelder, Spenden oder Einnahmen aus Veranstaltungen) dienen. Die BZ fragte bei betreffenden Vereinen und Organisationen im Kreis nach.

Freundeskreis Asyl Bietigheim-Bissingen: „Da Asylkreise meist lose Zusammenschlüsse ohne Vereinsform von Engagierten sind, kommen diese Hilfen für uns laut Ausschreibung des Sozialministeriums nicht in Frage“, antwortet Silvia Lidle vom Leitungsteam des Freundeskreis Asyl. Zudem sei der Freundeskreis durch die Corona-Pandemie nicht in einen Liquiditätsengpass gekommen, eine Voraussetzung für die Corona-Hilfe. Die Asylkreise, so Lidle, dürfen sich meist ohne Kosten  in kirchlichen Räumen treffen und ebenso in solchen Räumen Angebote für Geflüchtete durchführen, so auch in Bietigheim in den Räumlichkeiten evangelischer Kirchen. „Spenden, die der Asylkreis erhält, sind meist Spenden, die zweckgebunden für die Förderung von einzelnen Geflüchteten sind. Wie sich auf dieses Spendenaufkommen die Corona-Krise auswirkt, ist langfristig noch nicht abzuschätzen. Fakt ist aber, dass bereits 2019 die Spendenbereitschaft stark eingebrochen ist“, sagt Lidle.

Tafelladen Bietigheim-Bissingen: „Wir erfüllen die Voraussetzungen zum Glück nicht“, sagt Johannes Schockenhoff, Vorsitzender des Taffelladens. „Wir als Tafelladen haben zwar mit Corona zu kämpfen, insbesondere brauchen wir dringend weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, da einige unserer Mitarbeiter altersbedingt ihre Mitarbeit momentan ruhen lassen. Aber unsere wirtschaftliche Situation ist durch die Corona-Krise nicht dramatisch eingebrochen.“ Durch die Warenverkäufe und Spenden seien die Kosten gedeckt.

Jugendhäuser 4D in Bietigheim und Bissingen: Diese werden von der Jugendförderung Das Netz betreiben. Träger der Jugendförderung ist die Stiftung zur Förderung von Sozialeinrichtungen in Bietigheim-Bissingen. „An der Finanzierung der beiden Jugendhäuser ändert sich durch die Pandemie nichts, so dass keine finanzielle Unterstützung erforderlich ist. Die Beschäftigten sind bei der Sozialstiftung beschäftigt. Die Jugendhäuser sind auch nur für den offenen Bereich geschlossen. Die festen Gruppenangebote gehen weiter“, teilt Inga Mollerus, die Leiterin des Amtes für Bildung, Jugend und Betreuung der Stadt Bietigheim-Bissingen mit.

Hospiz Bietigheim-Bissingen: Sowohl der Hospizverein als auch das Hospiz können nicht von der Förderung profitieren, sagt Geschäftsführerin Ute Epple. Das Hospiz, wie auch die Diakonie oder die Tagespflege, seien über den Schutzschirm der Pflegeversicherung bedacht worden und „zwei Förderungen gibt es nicht“, so Epple.

Der Schutzschirm übernimmt die Mehrausgaben, die eine soziale Institution wegen der Corona-Pandemie geltend machen kann. Ausschlaggebend sind hier die Einnahmen von Januar 2019. Im Januar 2019, so Epple, habe der Hospizverein als Träger des Hospizes 10 000 Euro eingenommen, in den Monaten danach jeweils 8000 Euro. 2000 Euro bekommt der Hospizverein von der Pflegeversicherung. Entstanden ist der Abmangel, weil im Hospiz ein Bett leer bleiben musste – aus Corona-Schutzmaßnahmen – und öfter Betten kurzzeitig leer standen, da die angekündigten Patienten wegen eines Corona-Ausbruchs ins Krankenhaus kamen, sagt Epple. Im Hospiz können nur negativ getestete Patienten aufgenommen werden.

Der Krankenpflegeverein Erligheim, so dessen Vorsitzender, der Bürgermeister Rainer Schäuffele, habe durch die Pandemie keine finanziellen Engpässe, da dessen Haupteinnahmen immer noch in der Hauptsache die Mitgliedsbeiträge seien. „Und unsere Mitglieder stehen treu zu uns, auch in dieser schweren Situation“, sagt Schäuffele. Zudem besitze der Verein zwei Eigentumswohnungen, die weitere Einnahmen generierten. Die Pandemie aber würde die Arbeit des Krankenpflegevereins schon beeinträchtigen: Man könne der Aufgabe, die Pflegeheime im Ort persönlich zu unterstützen, nicht nachkommen. „Wir versuchen, weiterhin finanzielle Hilfen zu geben, beispielsweise für Mobiliar oder Aktivierungshilfen“, sagt Schäuffele. Aber persönliche Besuche seien nicht möglich. „Wenn wir als sozialer, ehrenamtlicher Verein eine pauschale Hilfe bekommen würden, dann könnten wir mehr tun, um den Leute in dieser Zeit zu zeigen, wir sind da, beispielsweise freuen sich die älteren Bewohner immer, wenn wir ihnen Blumen zukommen lassen, solche Gesten sind momentan finanziell nicht drin“, sagt der Bürgermeister.

Der Ludwigsburger Verein „Frauen für Frauen“, Träger des Frauenhauses und der Frauen-Beratungsstelle, kann laut seiner Geschäftsführerin Chris Scheuing-Bartelmess keine Corona-Hilfe beantragen, da die Vereine, die in Betracht kommen, eine Rücklage von maximal 750 Euro haben dürfen. „In unserem Fall wäre eine so geringe Rücklage fatal, denn wir müssen daraus die Gehälter bezahlen, da die Zuschüsse von Land, Landkreis und Stadt erst im Laufe des Monats kommen“, sagt sie.

Auch sind für den Verein weniger die finanziellen Auswirkungen ein Problem als die zunehmenden Anfragen von Frauen. „Sowohl im Frauenhaus als auch in der Beratungsstelle haben wir viel mehr Anfragen als sonst“, so Scheuing-Bartelmess. „Wir haben sehr schwere Fälle von Gewalt an Frauen seit Beginn der Pandemie“, sagt sie. Auch die Fälle von Essstörungen nehmen zu. „Aber diese Probleme werden mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen, deshalb bekommen wir Spenden, von Firmen, die für uns spenden wollen“, sagt Scheuing-Bartelmess.

 
 
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