Stadterhebung scheint 2022 möglich Tamm will endlich Stadt werden

Von Michaela Glemser
Noch ist Tamm eine Gemeinde mit 12700 Einwohnern. Im kommenden Jahr könnte aber die Stadterhebung kommen. Foto: Martin Kalb

Die Gemeinderäte stehen geschlossen hinter dem Antrag bei der Landesregierung. Eine Delegation des Innenministeriums hat die Gemeinde unter die Lupe genommen.

Höchstens einmal in einer laufenden Legislaturperiode der baden-württembergischen Landesregierung kommt eine Gemeinde in den Genuss der Stadterhebung. Nun hofft Tamm mit seinen rund 12 700 Einwohnern darauf, zum März 2022 offiziell zur Stadt erhoben zu werden. Dafür hat bereits eine Delegation des baden-württembergischen Innenministeriums die Gemeinde vor Ort genau unter die Lupe genommen.

„Wir wurden dabei ermutigt, den Antrag zur Stadterhebung zu stellen. Diese Auszeichnung des Landes wäre allen Bürgern zu verdanken, ebenso wie den Vereinen, den Kirchen und allen Ehrenamtlichen in Tamm“, machte Bürgermeister Martin Bernhard in der jüngsten Ratssitzung deutlich. Angesichts der Bedeutung der Stadterhebung ließ es sich der Tammer Rathauschef trotz gerade erfolgter Hüftoperation nicht nehmen ans Rednerpult zu treten, um seine Ratsmitglieder zu einem deutlichen Signal für die Stadterhebung zu bewegen.

Doch dies wäre gar nicht nötig gewesen, denn alle Tammer Gemeinderäte stellten sich geschlossen hinter den Antrag bei der Landesregierung. „Tamm hat sich das Stadtrecht erarbeitet und verdient. Beginnend mit der Ausweisung des Wohngebiets Hohenstange in den 70er-Jahren und den weiteren beschlossenen Projekten wie dem Wohngebiet Egelsee oder der Neuen Ortsmitte haben wir einiges erreicht, worauf wir stolz sein können“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der AWV, Jürgen Hottmann.

Auch Dietmar Zeh von der CDU-Fraktion sah den Antrag zur Stadterhebung als einen guten, folgerichtigen und konsequenten Entwicklungsschritt für Tamm an – aufgrund des Wachstums und der Entwicklungen in den vergangenen Jahren. „Der Schritt zur Stadt zeigt seine Wirkung sofort mit einem ganz neuen Image und ganz neuem Schwung“, betonte Zeh. Seine Ratskollegin Sonja Hanselmann-Jüttner von der SPD verwies darauf, dass Tamm als einstiges Straßendorf wegen seiner heutigen Einwohnerzahl und seiner umfassenden Infrastruktur von vielen schon in der Außenwirkung als Stadt wahrgenommen werde. Die offizielle Erhebung zur Stadt sei nun eine Auszeichnung für das hohe Engagement und die Leistungskraft der Tammer Bürger, so die Gemeinderätin.

Grüne anfangs skeptisch

Skeptisch stand dem Antrag zur Stadterhebung zunächst die Fraktion der Grünen gegenüber, die sich jedoch inzwischen hat überzeugen lassen. „Je länger wir uns mit dem Antrag beschäftigten, desto besser stellten sich die Möglichkeiten einer Stadterhebung dar. Vielleicht kommen wir weg vom Kleinbürgerlichen, das in Tamm hin und wieder noch um die Ecke weht. Tamm könnte Fair Trade-Stadt oder Elektromobilitätsstadt werden“, sinnierte Karin Vogt. Ihr Ratskollege Wolfgang Günther von der Liste Lebenswertes Tamm (LLT) erhoffte sich von der Stadterhebung ebenfalls bessere Chancen.

Dies könnte sich, nach der Meinung aller Tammer Gemeinderäte, nicht nur in einer Stärkung des Wirtschafts- und Schulstandorts Tamm zeigen, sondern auch in einer besseren Ausnutzung unterschiedlicher Fördertöpfe, in einer größeren Unterstützung der Verwaltung durch Städte- und Gemeindetag und in noch mehr Möglichkeiten für ein bunteres Kulturleben. Eines jedoch bringt die Stadterhebung in keinem Fall mit sich, wie die Verwaltungsvertreter und Gemeinderäte immer wieder betonten: höhere Bezüge für Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter. Nur die Kosten für neue Ortsschilder müssten investiert werden, lautete der Tenor aller Beteiligten.

„Dies ist für mich ein bewegender Augenblick“, stellte Bürgermeister Bernhard nach der eindeutigen Ratsabstimmung für die Stadterhebung fest. Hatten sich doch seine Vorgänger Gerd Maisch und Roland Zeller bereits um eine Stadterhebung bemüht, aber konnten dazu keinen Antrag stellen. Dieser wird nun vom Innenministerium in die Kabinettsdebatte eingebracht, bei der anschließend eine finale Abstimmung über Tamms Wunsch zur Stadterhebung stattfindet. Vielleicht kann 2022 rund um das Tammer Rathaus beim Stadterhebungsfest gefeiert werden.

 
 
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