Stadterhebung „Wunschkind“ feiert Geburtstag

Von Heike Rommel
Der Fanfarenzug empfing Innenminister Thomas Strobl, der sich persönlich für die Erhebung der Gemeinde Tamm zur Stadt eingesetzt hat. Von links: Landrat Dietmar Allgaier, Innenminister Thomas Strobl und Bürgermeister Martin Bernhard. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Innenminister Thomas Strobel überbrachte die Stadterhebungsurkunde persönlich. Mitte Mai ist in Tamm ein Stadtfest für alle geplant.

Die neuen Schilder „Stadt Tamm“ sind angebracht, Schilder mit der Aufschrift „Stadtmitte“ hat Innenminister Thomas Strobl jedoch noch keine gesehen, als er am Freitagabend mit seiner Urkunde zur Stadterhebung der nun ehemaligen Gemeinde Tamm durch drei Kreisverkehre Richtung „Ortsmitte“ fuhr.

Vom Fanfarenzug des Musikvereins empfangen, traf er am Freitagabend beim Festakt zur Stadterhebung auf jede Menge geladene Gäste. An Stehtischen vor dem Bürgersaal bei Sekt und Catering versammelt, warteten sie auf den stellvertretenden Ministerpräsident und Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl (CDU), der die langersehnte Urkunde im Gepäck hatte.

Die Tammer Bürger konnten via Livestream an der Veranstaltung teilnehmen und der Fanfarenzug sowie der Gesangverein Eintracht Tamm durften sogar indoor auf die Bühne.

„In der Ukraine fallen Bomben, während wir hier feiern“, ließ der Tammer Bürgermeister, Martin Bernhard im Bürgersaal als erstes eine Schweigeminute einlegen. Image-Videos zeigten, dass Tamm die Erhebnung zur Stadt verdient hat. Bei Thomas Strobl war bis zum Freitagvormittag wegen Corona nicht sicher, ob er selbst kommen kann, oder einen Staatssekretär schicken muss.

Umso kräftiger war der Applaus, dass er nach drei Wochen Homeoffice wieder einen Außentermin wahrnehmen konnte.

Strobl hat Antrag selbst gestellt

Strobl hatte den Antrag auf die Stadterhebung Tamms gestellt und sich auch persönlich für die Erhebung zur Stadt eingesetzt, wie er bei der Übergabe der vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann unterzeichneten Urkunde sagte. Der Schwabe frage natürlich zuerst, „was koscht‘s und kriegt der Bürgermeister jetzt mehr Geld?“ „Keinen Cent“, meinte Strobl, Martin Bernhard werde jetzt auch nicht Oberbürgermeister. Dazu müsse Tamm erst noch große Kreisstadt werden, aber was nicht ist, könne ja noch werden.

Voraussetzungen längst erfüllt

Die Voraussetzungen für eine Stadterhebung hat Tamm schon längere Zeit erfüllt. Bis zum ersten März war es die drittgrößte Gemeinde im Regierungsbezirk Stuttgart und die größte im Kreis Ludwigsburg. Wie Landrat Dietmar Allgaier ausführte, war die 10 000-Einwohner-Grenze schon seit 1990 überschritten. „Wir hatten in den letzten 60 Jahren nur zwei Stadterhebungen, erinnerte Allgaier an die von Freiberg und Remseck in den Jahren 1982 und 2004.

Ludwigsburgs Oberbürgermeister Dr. Mathhias Knecht, Bietigheim-Bissingens erster Bürgermeister Michael Hanus und der Bürgermeister der Partner-Stadtgemeinde Althofen im österreichischen Kärnten mit 4692 Einwohnern, Dr. Walter Zemrosser, gratulierten der jungen Stadt Tamm mit über 12 700 Einwohnern. Zemrosser war mit einer Delegation angereist, um Geschenke zu bringen: Eine Gratulations-Urkunde und eine Sonderedition von österreichischen Armbanduhren für den Tammer Bürgermeister und jeden Stadtrat.

„Wunschkind“ Stadt Tamm

Martin Bernhard, nun Stadtoberhaupt, verglich die historisch bedeutsame Stadterhebung mit der Geburt eines Kindes.

Nachdem sich der Beschluss der Landesregierung vom 18. Januar „wie ein Lauffeuer verbreitet“ habe, habe das „Wunschkind“ Stadt Tamm nach einer „definitiv sehr langen Schwangerschaft“ das Licht der Welt erblickt. Und das sei der Verdienst aller Tammer Bürger. “Wir sind Stadt:“ Unter diesem Motto ist rund um den Tammer Rathausplatz auf Samstag, 14. Mai, und Sonntag, 15. Mai, ein Stadtfest für alle geplant, sofern es die Corona-Lage zulässt.

Bei ihrem „Fleckafescht“, nicht mehr im Ortskern, sondern in der Stadtmitte, wollen die Tammer trotzdem bleiben und Strobl freut sich schon auf eine Einladung, gespannt darauf, wie sich die Stadt Tamm, deren Einwohnerzahl sich in den letzten 60 Jahren verdreifacht hat, getreu ihrem Slogan „selbstbewusst, wachsend, urban“ weiterentwickelt.

 
 
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