Steelers liefern Schwenningen beim 2:3 einen heißen Kampf Kesser Neuling bietet Paroli

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Zwei Schwenninger gegen einen wackeren Bietigheimer Einzelkämpfer: Steelers-Stürmer Matt McKnight lässt sich hier von Travis Turnbull (hinten) und Boaz Bassen nicht ins Bockshorn jagen. Foto: Avanti/Ralf Poller

Das erste DEL-Schwabenduell geht an Schwenningen. Die Steelers halten beim 2:3 nach Verlängerung aber erneut mit einem etablierten Team mit.

So ziemlich genau 130 Kilometer liegen zwischen Bietigheim und Schwenningen. Eigentlich zu viele, um von einem Derby zu sprechen. Dennoch geht es beim Klassiker zwischen den alten Erzrivalen Bietigheim Steelers und Schwenninger Wild Wings nicht nur um drei Punkte, sondern stets auch ums Prestige. Am Sonntagabend ging letztlich kein Team leer aus – und kein Anhänger unzufrieden heim: Die Gäste gewannen im Ellental zwar mit 3:2 nach Verlängerung und nahmen zwei Punkte in den Schwarzwald mit. Bietigheim behielt aber immerhin einen Zähler bei sich zu Hause. Und was mindestens genauso beachtlich ist: Erneut hatte der DEL-Neuling einem etablierten Erstligisten Paroli geboten – kämpferisch, läuferisch, spielerisch. Entsprechend positiv fiel das Fazit von SCB-Coach Daniel Naud aus: „Wir haben uns gegen eine gute Mannschaft einen wichtigen Punkt erkämpft.“

Seine Steelers knüpften vor den 3605 Zuschauern nahtlos an die Gala vom Freitag bei den Kölner Haien an und stutzten den Wild Wings im ersten Drittel gleich die Flügel. Bei der ersten Überzahl traf Benjamin Zientek in der Anfangsphase den Pfosten. Auch danach war der Aufsteiger dem Führungstreffer näher als die ideenlos wirkenden Gäste. Den „Schwänen“ schien ihr 8:3-Kantererfolg zwei Tage zuvor über Nürnberg – der überhaupt erste Saisonsieg – nicht den Rückenwind gegeben zu haben, den sich ihr Star-Trainer Niklas Sundblad und die rund 1000 mitgereisten SERC-Fans erhofft hatten. Einzig der schwedische Goalie Joacim Eriksson hielt Schwenningen mit starken Paraden im Spiel.

Aittokallio zurück im Tor

Bei den Steelers stand ebenfalls ein Skandinavier zwischen den Pfosten: Der Finne Sami Aittokallio kehrte ins Gehäuse zurück – Cody Brenner, der beim 4:3-Sieg in Köln als DEL-Debütant mit zwei abgewehrten Penaltys zum Matchwinner geworden war, beobachtete das Geschehen von der Bande aus. „Wir bauen Cody weiter auf. Ihn nach einer so langen Verletzungspause schnell wieder voll zu belasten, ist nicht gut“, begründete Naud später den Rücktausch der Torhüter. Obendrein fehlte erneut der verletzte Verteidiger Max Renner.

Im Mitteldrittel waren auch Schwenningens Feldspieler auf Betriebstemperatur und bereit fürs Schwabenduell. Aittokallio bekam jetzt oft Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Beim zweiten Powerplay des SERC klingelte es im Steelers-Tor. Travis Turnbulls Schuss wehrte Aittokallio noch zur Seite ab, der Nachschuss von Tyson Spink saß aber – 0:1 (35.). Prompt war im ohnehin schon lauten Wild-Wings-Block noch mehr Feuer unterm Dach.

Dass der Bietigheimer Anhang mindestens genauso ohrenbetäubend sein kann, bewies er in der 43. Minute beim durch Mark und Bein gehenden Torschrei. Eine 88 Sekunden währende doppelte Überzahl führte noch nicht zum Erfolg. Doch bei fünf gegen vier schlug Zientek dann zu – der erste Saisontreffer des Stürmers im sechsten Einsatz. Auf der Gegenseite verteidigten die Hausherren mit heroischem Einsatz ebenfalls eine längere doppelte Unterzahl-Situation. Besonders turbulent war die Schlussphase. Erst vollstreckte Turnbull aus kurzer Distanz zum 1:2 – 2:48 Minuten standen da noch auf der Uhr. Mit einem Traumtor schaffte Evan Jasper 87 Sekunden vor dem regulären Spielende noch den verdienten 2:2-Ausgleich, indem er mangels Anspielstation einfach mal ansatzlos abzog – und genau unter die Latte traf. „Das war ein super Schuss“, lobte Naud. 

Sundblad feiert das Publikum

In der Verlängerung hatte erst Riley Sheen das Bietigheimer Siegtor auf dem Schläger, vergab jedoch. Im Gegenzug zielte der Norweger Ken Andre Olimb bei seinem Solo besser – und sicherte Schwenningen den Prestigesieg und zwei Punkte. 45 Sekunden waren da in der Zusatzschicht absolviert. Noch lange nach der Partie machten die Schlachtenbummler aus dem Schwarzwald Party in ihrer Kurve. „Beide Fanlager haben viel Stimmung gemacht. Das ist man gar nicht mehr gewöhnt. Langsam ist jetzt endlich wieder das zurück, was uns allen Spaß am Eishockey macht“, schwärmte Sundblad von der Atmosphäre in der EgeTrans-Arena.

Stimmen zum Spiel

Daniel Naud, Trainer der Bietigheim Steelers: Wir hatten einen sehr guten Start. Schwenningen ist eine technisch und läuferisch starke Mannschaft – und wir konnten mithalten. Das hat den Jungs wie in Köln zusätzlich Selbstvertrauen gegeben. Leider gingen im ersten Drittel unsere vielen Chancen nicht rein. Im zweiten Drittel war es ein Hin und Her, haben sich beide Teams neutralisiert. Nach dem 1:2 hat man auf der Bank gemerkt, dass die Jungs das Spiel unbedingt noch mal drehen wollten.  Jetzt werden wir uns ein paar Tage erholen und bereiten uns dann auf Freitag vor.

Niklas Sundblad, Coach der Schwenninger Wild Wings: Wir sind sehr froh über den Auswärtssieg und die zwei Punkte. Bietigheim ist ein schwerer Gegner. Wir haben das Spiel in Köln gesehen, das die Steelers verdient gewonnen haben. Darum waren wir gewarnt und vorbereitet. Im ersten Drittel war Bietigheim einen Tick besser und hat viel Druck gemacht. Für meinen Geschmack waren wir da in der eigenen Zone zu weit weg. Ab dem zweiten Drittel waren wir besser im Spiel. Vielen Dank an die Fans für die Stimmung. Die fünf Punkte am Wochenende nehmen wir gern mit.

Zusatzinfo: Stürmer Wenzel wechselt zu den Löwen Frankfurt

Kurz nach der Vertragsauflösung bei den Bietigheim Steelers hat Yannick Wenzel bereits einen neuen Kontrakt unterschrieben: Der 23-jährige Stürmer geht in der neuen Saison für die Löwen Frankfurt in der DEL2 auf Torejagd. Auf seine Zeit bei den Schwaben blickt Wenzel aber voller Stolz und Dankbarkeit zurück. „Es waren drei tolle Jahre bei den Steelers mit dem absoluten Highlight im Mai mit Meisterschaft und Aufstieg. Diese Zeit werde ich nie vergessen, und bin dankbar, dass ich das hautnah miterleben durfte“, sagt Wenzel. Für den SCB hat der Rechtsschütze insgesamt 159 DEL2-Partien bestritten (15 Tore, 26 Assists). In der laufenden DEL-Runde kam er allerdings nicht über die Rolle als Ergänzungsspieler hinaus. In Frankfurt will er nun wieder durchstarten. „Ich bin froh, dass der Wechsel jetzt geklappt hat und ich den nächsten Schritt in meiner Karriere machen kann. Es war nie leicht, als Gegner in Frankfurt zu spielen. Daher bin ich froh, diese Fans jetzt in meinem Rücken zu haben“, wird Wenzel in einer Mitteilung der Hessen zitiert.

 
 
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