Studieren in Corona-Zeiten PH-Studenten kritisieren Nothilfe

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Vorlesungen und Seminare finden in der Coronakrise online statt. Nur vereinzelt kommen Studierende vorbei, um an Einzel-Workshops teilzunehmen, wie diese Studentin, die im Fach Musik eingeschrieben ist.  ⇥ Foto: Martin Kalb

Der Asta der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg sieht in der Hilfe vom Bund für Studenten nur einen „Tropfen auf den heißen Stein“ und „bürokratischen Irrsinn“.

Die Corona-Krise trifft auch Studenten. Viele haben ihren Job etwa in der Gastronomie verloren und sind so in Geldnöte zur Finanzierung ihres Studiums gekommen. Nach längeren Anlaufschwierigkeiten sollen Studierende in Notlage  seit Kurzem Corona-Zuschüsse des Bundes beantragen können. Die Zuschüsse von bis zu 500 Euro im Monat können online beantragt werden und müssen nicht zurückgezahlt werden (siehe Infokasten).

Die BZ hat bei der Pädagogische Hochschule (PH) in Ludwigsburg nachgefragt, ob die Studenten mit dieser Lösung zufrieden sind. „Viel zu spät“, nennt Robin Brauer, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta)  die Lösung. Man gehe von einer Bearbeitungszeit von mehreren Wochen aus und erst seit Donnerstag könne man die Nothilfe beantragen. So käme diese Überbrückungshilfe wohl erst Ende August bei den Studenten an. Zudem müsse sie monatlich neu beantragt werden obwohl es sie nur für Juni, Juli und August gebe. „Ein bürokratischer Irrsinn und ein zu kurzer Zeitraum“, so der Studentenvertreter der PH weiter. Überhaupt sei die Nothilfe mit einer maximalen Höhe von 500 Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Damit könnten Studenten in der Region oftmals gerade einmal ihre Miete zahlen.

Bafög-Reform gefordert

Auch dass es nun bis März 2021 zinsfreie KfW-Studienkredite gibt, überzeugt Breuer nicht. Die Kredite müssten schon im nächsten Jahr beglichen werden  und ausgeschlossen seien alle Studenten, die bereits einen Studienkredit in Anspruch genommen haben. Auch die maximale Auszahlung von 650 Euro liege weit unter dem Bafög-Höchstsatz. Hilfreicher wäre eine grundlegende Bafög-Reform, findet Breuer.

Im Rahmen einer Online-Umfrage hätten sich viele Studenten beim Asta gemeldet, die Jobs verloren haben und teilweise kein Bafög oder ähnliche Leistungen erhalten. Diese mussten sich dann Geld leihen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren oder brauchen ihre Ersparnisse auf, die sie etwa für die Zeit eines Praktikums angesammelt hätten. Vereinzelt hätten Studenten der PH auch angegeben, aufgrund coronabedingter finanzieller Schwierigkeiten ihr Studium abgebrochen zu haben.

Der Rektor der PH, Martin Fix, erklärt gegenüber der BZ, dass man froh darüber sei, dass es inzwischen eine geregelte Soforthilfe geben und diese auch richtigerweise durch die Studierendenwerke verteilt werde. „Auf jeden Fall sollte der Notfallfonds für Studierende, die in Not geraten, ausreichend ausgestattet werden“, erklärte Fix, ohne konkret Kritik an der aktuellen Ausstattung zu üben. Zahlen zu Studenten, die in finanziellen Schwierigkeiten geraten sind oder gar ihr Studium deswegen abgebrochen haben, liegen der Hochschule aber nicht vor.

 
 
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