Training wieder weitgehend möglich Vereine sind froh, aber vorsichtig

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Auch die Handballer in der Region dürfen sich wieder (fast) wie gewohnt auf die bevorstehende Saison vorbereiten. Das Foto zeigt den Trainingsauftakt der SG BBM Bietigheim aus dem vergangenen Jahr. ⇥ Foto: Marco Wolf

Vereinssport ist ab dem 1. Juli auch in größeren Gruppen und mit Kontakt wieder weitgehend möglich. Nicht alle Vereine wollen das gleich eins zu eins an ihre Abteilungen weitergeben.

Jan Bodmer, Geschäftsführer des TSV Bietigheim ist „schon überrascht, dass es so schnell in so eine Richtung geht“. Für ihn sind die weitreichenden Lockerungen im Vereinssport „ein großer Schritt“. Am dem 1. Juli, so hat die Landesregierung entschieden, darf Mannschaftssport mit einer Gruppengröße von bis zu 20 Personen – auch mit zeitweiligem Kontakt – wieder ausgeübt werden. Vor allem auch für den Hallensport ergeben sich dadurch weitreichende neue Möglichkeiten.

Grundsätzlich wird das Vorgehen der Landesregierung dieses Mal als positiv bewertet. Die neue Verordnung sei klar und übersichtlich, heißt es von den befragten Kommunen und Vereinen. Der TSV Bietigheim will die neue Verordnung auch schnellstmöglich für alle Abteilungen umsetzen. Beim TV Großsachsenheim ist man noch etwas verhaltener.

„Das überschlägt sich gerade täglich“, sagt Sven Junger, Vorsitzender des TV Großsachsenheim, „wir hatten gerade ein Konzept erstellt auf die Verordnung von 4. Juni. Für das musste die Geschäftsführung ganz schön schaffen. Die neue Verordnung ändert das Ganze wieder.“ Zwar plant der Verein auch, das Konzept umgehend anzupassen, aber nicht für alle Bereiche. Hauptsächlich die Gruppengrößen sollen geändert werden. Bei den Kindern und der Jugend soll es bis zu den Sommerferien aber keinen Betrieb geben, „weil wir das da mit den Abstandsregel nicht hinbekommen“, meint Junger.

Die Stadt Sachsenheim freut sich grundsätzlich über die Lockerungen: „Wenn die Sicherheitsaspekte eingehalten sind, bewerten wir das durchaus positiv“, sagt Sprecherin Nicole Raichle. Der Vereinsbetrieb hat in Sachsenheim einen hohen Stellenwert und sollte wieder aktiv sein dürfen. Wettkämpfe seien bisher noch keine angesetzt gewesen. Aber „wenn es die Corona-Verordnung zulässt und die Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden können, spricht nichts dagegen“, so Raichle.

Beim TSV Bietigheim legen schon in dieser Woche einige Abteilungen wieder los.. „Im Endeffekt wird es so bewertet, dass man wieder ganz normal trainieren kann“, meint Geschäftsführer Bodmer im Anschluss an eine Videokonferenz mit dem Württembergischen Landessportbund (WLSB).  „Wir werden den Abteilungen keine Steine in den Weg legen und sie selbst entscheiden lassen, wie sie an den Start gehen.“ Er betont aber auch mit Blick auf Abstands- und Hygieneregeln: „Noch ist nicht alles wie vorher. Man sollte jetzt nicht alles über den Haufen werfen.“ Daher wird es auch noch ein Schreiben von der Vereinsspitze geben. Wichtig sei auch, dass innerhalb der Abteilungen geschaut werde, dass alles eingehalten werde. Angebote für Kinder sollen aber weiterhin im Freien stattfinden, so wie aktuell die „Kinderolympiade“.

Auch die Stadt Bietigheim-Bissingen hat in Person von Kultur- und Sportamtsleiter Stefan Benning noch einmal eine Betriebsordnung für städtische Sportstätten herausgegeben. Demnach bedarf es weiter eines Hygienekonzepts sowie eines Corona-Verantwortlichen. Die Verantwortung für die Durchführung und Überwachung liegt bei den Vereinen, teilt Stadtsprecherin Anette Hochmuth mit. Die Stadt ist zwar der Meinung: „Wenn in der Fußball-Bundesliga oder aktuell jetzt auch beim Basketball bereits wieder gespielt wird, wäre dem Amateursport kaum eine längere Auszeit zuzumuten gewesen.“ Hochmuth betont aber auch: „Wir werden ein vorsichtiges Herangehen praktizieren.“ Wettkämpfe und Spiele mit Zuschauern würden „individuell sorgfältig geprüft“. Daher müssen diese auch beim Sportamt gesondert beantragt werden.

Ein Thema sind auch die Umkleiden und die Duschen. Denn da gelten die Abstandsregeln ja weiterhin. In Großsachsenheim ist bisher nur die kleinere Sporthalle geöffnet. „Da würde es eher schwierig mit den Abstandsgeboten. Es gibt nur jeweils eine Dusche für Männer und Frauen“, meint TVG-Chef Junger. In Bietigheim soll Duschen und Umziehen wieder ermöglicht werden. Das gilt auch fürs vereinseigene Sportquadrat. „Dort wird aber nur jeder zweite Duschkopf funktionieren“, meint Bodmer.

In Bönnigheim geht Bürgermeister Albrecht Dautel davon aus, „dass die Nutzer ihre Konzepte so gestalten, dass die Vorgaben der Corona-Verordnung eingehalten werden“. Die Anlagen sollen den Vereinen mit den neuen Gegebenheiten genauso zu Verfügung gestellt werden, wie bisher. Allerdings sei dies nicht überall uneingeschränkt möglich. Dautel: „Einen Nutzungskonflikt haben wir in unseren Sporthallen in Bönnigheim. Hier wurde bis zu den Sommerferien den weiterführenden Schulen die Nutzung der Hallen für den Schulunterricht zugesagt.“ So könnten komplette Klassenverbände gemeinsam von einem Lehrer unterrichtet werden. In den Hallen Hohenstein und Hofen gibt es diesen Konflikt aber nicht.

Der Bönnigheimer  Schultes hat aber auch eine erfreuliche Nachricht für die Sportler: Denn Reinigung und Unterhaltungsleistungen, die normalerweise in den Sommerferien erledigt werden, wenn die Hallen geschlossen sind, wurden bereits vorgezogen werden. Daher „gehe ich derzeit davon aus, dass mit Beginn der Sommerferien die Hallen in Bönnigheim wieder uneingeschränkt für den Vereins- und nach den Ferien auch für den Schulsport zur Verfügung stehen.“

In Ludwigsburg ist man ebenfalls zuversichtlich: „Die Konzepte liegen bei den Vereinen bereits vor. (...) Diese Konzepte werden nun angepasst, das geht schnell“, meint Sprecherin Karin Brühl. Auch hier will man Veranstaltungen im Rahmen der Möglichkeiten und mit entsprechenden Konzepten zulassen. Bisher habe aber nur der RFV Ludwigsburg Monrepos eine Veranstaltung angemeldet. „Eine Reiterprüfung ohne Zuschauer mit umfassendem Hygienekonzept. Es sind alle Vorgaben eingehalten“, betont Brühl.

Info Die Trainingsauftakte einiger Profi-Teams stehen in den kommenden Tagen und Wochen an. Mehr Infos dazu gibt es dann im Sportteil der BZ.

 
 
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