Trainingscamp mit Football-Stars Von den Profis lernen

Von Tobias Weißert
Der Reutlinger Marcel Dabo vom NFL-Team Indianapolis Colts zeigt den Nachwuchsfootballern beim Camp in Ludwigsburg, wie man eine Übung korrekt ausführt. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Beim Camp im Ludwigsburger Sportzentrum am Ludwig-Jahn-Stadion kommen 180 Kinder zusammen, um mit NFL-Spielern zu trainieren.

Schon von Weitem hört man amerikanischen Rap und Hip-Hop aus den Lautsprechern schallen. Auf einem der beiden Kunstrasenplätze im Ludwigsburger Sportzentrum am Ludwig-Jahn-Stadion trainieren gerade die in weiß gekleideten Offensivkräfte, wie man Pässe abblockt. Mit dabei ist Center Patrick Heinke, der für die U13 des Deutschen American-Football-Meisters Schwäbisch Hall Unicorns spielt. „Es macht richtig Spaß mit den Profis zu trainieren. Wir lernen gerade, wie man nach hinten verteidigt“, erzählt er.

Und weil Patrick Heinke keine Sekunde des wertvollen Trainings mit den Profi-Coaches verpassen will, kommt er dem Ruf weiterzuspielen auch sofort nach. Es ist eine gelassene, familiäre Stimmung an diesem trüben Sonntagnachmittag, bei dem nicht nur die Ohren, sondern auch die Nase schon von Weitem angeregt wird. Grillduft liegt in der Luft.

Verantwortlich dafür sind Siegfried Neher und sein Team des Oberligisten Ludwigsburg Bulldogs. „Wir kümmern uns eigentlich nur um die Hardware“, erklärt der Vorsitzende des 600 Mitglieder starken Vereins. „Also das Mittagessen und das Stadion – die Organisation um das Training herum sozusagen.“ Für Letzteres ist dagegen die 24/7 American Football School um Coach Andy Meyer zuständig. Der Defensive- Coordinator, der auch die Frankfurt Galaxy aus der European Football League (EFL) als Defensive-Coordinator-Assistent betreut, freut sich über die positive Resonanz von 180 Kindern und Jugendlichen im Alter von elf bis 18 Jahren: „Das ist ein super Niveau hier. Unglaublich, wie viel die Kids schon wissen und können. Wir können hier wirklich was bewegen und mit solchen Camps auch die breite Masse erreichen.“ Meyer zeigt sich insbesondere glücklich darüber, dass auch Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NFL dabei sind, die ebenfalls als Übungsleiter fungieren.

NFL-Profis als Coaches

Einer davon ist Marcel Dabo. Der Reutlinger, der 2021 noch für die Stuttgart Surge als Cornerback in der EFL aktiv war, ist seit einem Jahr bei den Indianapolis Colts in der National Football League (NFL) unter Vertrag. „Das ist natürlich ein Riesending. Ich will den Jungs und Mädels hier auch was zurückgeben. Das ist mir wichtig. Da ist ein wahnsinniges Potenzial zu sehen.“

Deutschland weit vorne

Auch im internationalen Vergleich, die USA selbstredend ausgenommen, sieht er Deutschland weit vorne. „Wichtig ist aber bei all diesen Camps und Förderungen auch, dass wir nicht auf Quantität, sondern Qualität gehen. Wir sind aber auf einem guten Weg“, erklärt der 23-Jährige.

Zudem sind auch Sandro Platzgummer von den New York Giants und einige Coaches aus Frankfurt sowie Ex-Nationaltrainer Martin Hanselmann im Einsatz. Für Neher sind die Promis ein wichtiges Puzzleteil für ein erfolgreiches Camp. „Das zeigt sich ja schon allein darin, dass wir Gäste aus der ganzen Republik haben. Berliner, Kölner, Münchner und Sachsen habe ich heute etwa schon gesehen“, berichtet er. Dabei sind die Bulldogs – deutschlandweit gesehen – gar nicht so namhaft. Aber die Bekanntheit steige so natürlich enorm an. Im vergangenen Jahr richteten die Bulldogs das Camp erstmals aus. Und weil es so gut angenommen wurde und auch die Football School von der Professionalität beeindruckt war, nahmen seine 40 Helfer und er die aufwendige Organisation auch in diesem Jahr wieder in die Hand.

Vorführspiel zum Campabschluss

Das Training der in weiß gekleideten Offense und der in schwarz gekleideten Defense, das auf zwei Kunstrasenfelder in Kleingruppen – unterteilt nach Positionen –, absolviert wird, ist am frühen Nachmittag zu Ende. Doch im Jahnstadion steigen im Anschluss noch ein Vorführspiel und die Ehrungen der besten Spieler des Camps (MVPs) sowie eine Autogrammstunde mit den Profis. Neher zeigt sich sehr zufrieden mit den 400 bis 500 Zuschauern, die Karten für die Abschlussveranstaltung erworben haben. „Die Stimmung war klasse. Trotz des am Ende einsetzenden Regens.“

Einen Wunsch haben alle Akteure des Camps gemeinsam: Den Frauenanteil zu erhöhen. „Leider spielen kaum Mädchen Football. Obwohl wir eine große Jugendabteilung haben und an zweiter oder dritter Stelle in Baden-Württemberg stehen und immer wieder Meistertitel holen, sind nur wenig Mädchen dabei“, sagt Neher. Auch auf den Trainingsplätzen ist das zu sehen. „Aber da wollen wir jetzt gemeinsam mit der Stadt Ludwigsburg ran“, zeigt sich der Vorsitzende der Bulldogs entschlossen.

 
 
- Anzeige -