Übermalter Stolperstein wird gereinigt Der Stolperstein glänzt wieder

Von
Thomas Reusch-Frey und Steinpatin Angelika Schneider reinigen den geschändeten Stolperstein von Frida Ziegelmaier. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

In einer kleinen Zeremonie wird das geschändete Mahnmal von Frida Ziegelmaier vor dem Haus in der Pfarrstraße 6 gereinigt, das im März übermalt wurde.

Es ist nur ein kleines, viereckiges Stück Metall, eingelassen im Boden vor einem Haus in der Pfarrstraße 6 in Bietigheim, aber es zeugt von einer Tragödie. Frida Ziegelmaier, der mit diesem Stolperstein gedacht wird, wurde in der ersten Gaskammer der Nationalsozialisten am 29. November 1940 in Grafeneck ermordet. Acht Menschen mit Behinderung waren es in Bietigheim-Bissingen, 10 654 insgesamt, die zwischen 18. Januar und 13. Dezember 1940 vergast wurden.

Farbe sollte das geschehene
Unrecht verdunkeln

Die Stolpersteine in der Stadt erinnern an diese Menschen, deren Schicksale lange Zeit vergessen waren. Frida Ziegelmaiers Stolperstein wurde im Februar von noch Unbekannten beschmiert und geschändet. Er wurde  mit schwer entfernbarer, schwarzer Farbe übermalt. „Die schwarze Farbe auf dem Stolperstein sollte wohl den Stein verdunkeln, der für das Unrecht steht, das Frida Ziegelmaier zugefügt wurde“, sagt Thomas Reusch-Frey, der in der Stadt die Stolperstein-Initiartive auf den Weg brachte. Die Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Ntionalsozialismus sollen das Geschehene nicht nur für Geschichtsinteressierte, sondern für die Öffentlichkeit im Bewusstsein halten. Christian Hofmann, ein ehemaliger Schüler der Realschule Bissingen, hatte das Leben der Bietigheim-Bissinger Opfer, von denen acht vergast wurden und eines in Grafeneck verhungerte, recherchiert.

Die Verschandelung wollten Reusch-Frey und die Patin des Stolpersteins, Angelika Schneider, nicht hinnehmen. „Der Stolperstein glänzt wieder“, so Schneider. Am Sonntag wurde der Stolperstein aufwändig gesäubert – am 6. Juni, dem 120. Geburtstag von Frida Ziegelmaier und vor dem Haus, in dem sie mit ihrer Famile lebte.  „Einfach so zur Tagesordnung überzugehen und diesen Stein in einer normalen Putzaktion zu reinigen, kam für uns nicht infrage“, sagt Reusch-Frey.

So wurde eine kleine Erinnerungsstunde aus der Reinigungsaktion und der Schandfleck wieder zum Stolperstein der Erinnerung. 15 Besucher waren gekommen. Das Bietigheim-Bissinger Ordnungsamt erklärte die Stolpersteine zu  Gedenkstätten, deshalb war die Versammlung möglich.

 
 
- Anzeige -