Umfrage in Bietigheim-Bissingen Wohnen: 73,8 Prozent zufrieden

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Die die Preisentwicklung im Wohbereich weird in Bietigheim-Bissingen negativ wahrgenommen. Trotzdem: 73,8 Prozent der Beteiligten sind mit der Wohnsituation eher zufrieden bis sehr zufrieden.⇥ Foto: Helmut Pangerl

1412 Personen nahmen an einer Umfrage über die Stadt teil. Dabei wurden die Themen Wohnen, Digitalisierung, Bildung, Wirtschaft, Klima und soziales Miteinander beleuchtet.

Mit einer Online-Befragung hat die Stadtverwaltung im Februar und März die Einwohner  Bietigheim-Bissingens dazu aufgerufen, ihre Meinung zur Entwicklung der Stadt einzubringen. Insgesamt 1670 Bürgerinnen und Bürger haben sich beteiligt – die meisten online, einige aber auch klassisch in Papierform. 1412 Personen füllten den Fragebogen vollständig aus. Ein sehr gutes Ergebnis, wie Projektleiterin Melina Krapf von Wüstenrot Haus- und Städtebau meint. Teil der Umfrage waren Themen wie Wohnen, Wirtschaft. Soziales Miteinander, Klima, Mobilität, Digitalisierung.

 

Wohnen

Die Wohnsituation und die Preisentwicklung werden in Bietigheim-Bissingen negativ wahrgenommen. Trotzdem: Ganze 73,8 Prozent der Beteiligten sind mit der Wohnsituation eher zufrieden bis sehr zufrieden. „Ein stolzes Ergebnis, das Anlass zu Optimismus gibt – ohne jene aus den Augen zu verlieren, die unter dem Wohnungsmarkt leiden“, teilt die Stadt mit. 74,7 Prozent der Teilnehmer leben seit mehr als zehn Jahre in Bietigheim-Bissingen. 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie aus privaten und nur 15,5 Prozent aus beruflichen Gründen hier leben.

Trotz hoher Zufriedenheit mit der Wohnsituation gaben fünf Prozent an, dass sie in absehbarer Zeit beabsichtigen, wegzuziehen. Als Gründe gaben sie nicht bezahlbare Mieten, stetig teurer werdende Müllgebühren und Mangel an Wohnungen und Häuser an. 45,6 Prozent der Teilnehmer geben zudem an, dass es für sie nicht einfach war, angemessenen Wohnraum zu finden. 531 Teilnehmer (50,9 Prozent) gaben an, dass die Miete/Kaufpreis zu teuer war, für 407 Teilnehmer (39 Prozent) habe das Angebot gefehlt. 40,9 Prozent der Teilnehmer hatten jedoch keine Probleme, Wohnraum zu finden.

 

Wirtschaft und, Einzelhandel

75,7 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie erwerbstätig sind. 19,3 Prozent jedoch nicht, und 5 Prozent machten keine Angaben dazu. 63,3 Prozent der Befragten arbeiten außerhalb der Stadt, in Bietigheim-Bissingen selbst sind 35,9 Prozent beschäftigt. Auch die Corona-Krise werfe ihre Schatten, so die Stadt, auch wenn die Mehrheit derzeit keine Sorge um ihren Arbeitsplatz hat (85,6 Prozent). Damit dies so bleibt, gaben 23,5 Prozent an, dass Branchenmix notwendig sei. Auch der Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Unterstützung des Einzelhandels sowie die Vernetzung verschiedener Branchen und Interessensgruppen wurden von den Teilnehmern genannt, um Arbeitsplätze in der Stadt langfristig zu sichern.

84,7 Prozent gaben an, dass sie zufrieden bis eher zufrieden mit dem Einzelhandelsangebot und der Nahversorgung in der Gesamtstadt seien.

 

Bildung, Soziales und Kultur

44 Prozent der Befragten sind mit dem kulturellen Angebot eher zufrieden, 39,9 Prozent zufrieden und 8,5 Prozent eher unzufrieden bis unzufrieden. Es fehlen Discotheken, Kneipen, kulturelle Feste, Angebote für junge Künstler sowie Sprachkurse, um nur einige Beispiele zu nennen. Beim Freizeitangebot ähneln sich die Antworten: 85 Prozent sind eher zufrieden bis zufrieden und 9,3 Prozent sind eher unzufrieden bis unzufrieden.

78,3 Prozent der Teilnehmer seien zwar zufrieden mit dem Bildungsangebot, doch müsse künftig weiter an der Digitalisierung gearbeitet werden sowie der Qualität von Kindergärten und Schulen, eine Hochschule solle sich ansiedeln, der Nahverkehr für Schüler müsse kostenlos sein und es sollten mehr Ausbildungsplätze angeboten werden. Ergänzend gaben 35 Prozent an, dass es an Treffpunkten für Kinder und Jugendliche fehle. Die zweit häufigst genannte Antwort waren Freizeitangebote (25,7 Prozent), gefolgt von Betreuungsmöglichkeiten (14,7 Prozent) und Spielplätzen (10,9 Prozent).

Für ältere Personen fehlen Nahversorgung (22,7 Prozent), barrierefreier beziehungsweise -armer Wohnraum (22,7 Prozent), Unterhaltungsangebote und Freizeitgestaltung (19,8 Prozent), Treffpunkte (15,8 Prozente) und Betreuungsangebote (12,2 Prozente). Im Detail wurden Wohnprojekte für Jung und Alt genannt, Betreuung für Ärmere sowie kostenlose Fahrdienste.

 

Soziales Miteinander und Vereine

55,2 Prozent der Umfrageteilnehmer schätzen den sozialen Zusammenhalt in ihrem Stadtteil als gut ein, 9,4 Prozent als sehr gut, doch 20,6 Prozent empfinden den Zusammenhalt als weniger gut und 3,8 Prozent als schlecht. Von den Befragten sind rund die Hälfte (49,6 Prozent) Mitglied in einem oder mehreren Vereinen. Diesbezüglich wurden folgende Punkte kritisch betrachtet: Mitgliederschwund, zu wenig Kapazitäten bei den Sporthallen, Breitensport werde nicht gefördert, das Mitgliedsalter sei zu hoch und die Streichung der Vereinshilfe.

 

Klima, Energie und Umwelt

Für die Mehrheit der Befragten (88,9 Prozent) sei der Klimaschutz eher wichtig bis wichtig. In diesem Zusammenhang fordern die Teilnehmer unter anderem den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), mehr Naturschutzflächen, besserer Lärmschutz, Förderung erneuerbarer Energien, Verkehrsvermeidung und -reduzierung sowie den Ausbau von Radwegen. Trotz Forderung den ÖPNV auszubauen, gaben 746 Teilnehmer (51,7 Prozent) an, dass sie zufrieden mit dem Angebot sind, 436 Personen (30,2 Prozent) sind es jedoch nicht. Im Detail wünschen sich die Teilnehmer eine bessere Taktung, niedrigere Preise, Verbesserung der Pünktlichkeit sowie eine Verbesserung der Radwege und eine Umgehungsstraße.

 

Digitalisierung

Mit 55,8 Prozent wird die Wichtigkeit des Themas Digitalisierung für die Entwicklung der Stadt als sehr hoch eingeschätzt. Ähnlich sieht es bei der persönlichen Bewertung des Themas aus. 57,7 Prozent der Teilnehmer ist Digitalisierung sehr wichtig. Doch wo sehen die Befragten den Bedarf für weitere Digitalisierung? Am häufigsten wurden Schulen und Bildung angegeben (21,8 Prozent), gefolgt von bürgerfreundlicher Verwaltung (18,3 Prozent), wirtschaftliche Attraktivität (13,6 Prozent), Mobilität und Infrastruktur (13,5 Prozent), Lebensqualität für Bewohner (12,4 Prozent), Umwelt- und Ressourcenschonung (11,1 Prozent) und Energieeffizienz (9,2 Prozent)

Zusammenfassend erklärt die Stadt, dass besonders positiv sei, dass viele Jüngere an der Umfrage teilnahmen. Gerade in den letzten Jahrzehnten sei kommunale Bürgerbeteiligung von Menschen mit höherem Altersdurchschnitt geprägt worden.Durch digitale Partizipation sei dieser Trend wieder rückläufig.

In der Umfrage von Bietigheim-Bissingen war die Gruppe der 19- bis 30-Jährigen mit 327 Angaben sehr gut vertreten. Die Gruppe der 31- bis 59-Jährigen dominierte mit 934 Beiträgen sogar. Aber dass Digitalisierung gleichzeitig nicht den Ausschluss älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger bedeutet, könne man ebenso sehen: 295 Bürgerinnen und Bürger über 60, davon sogar 28 über 75 Jahre nahmen ebenfalls teil.

Diese und die weiteren Ergebnisse werden zwischen der Stadtverwaltung inklusive Gemeinderat und der Wüstenrot Haus- und Städtebau erörtert und werden in den kommenden Wochen und Monaten in das Entwicklungskonzept eingearbeitet. Im nächsten Schritt werden Thesen vorbereitet, die auf den Ergebnissen der Fragebogen-Umfrage beruhen. Diese Thesen werden anschließend den Bürgerinnen und Bürgern zur Bewertung übergeben. Das wird auch im Rahmen dieser digitalen Projektbegleitung geschehen.

Info Die Zusammenstellung der Ergebnisse gibt es online. Die Auswertung ist im Themenbereich Rathaus & Politik, Bauen & Wohnen, Bauen, laufende Planverfahren und dann beim Stadtentwicklungskonzept zu finden.

www.bietigheim-bissingen.de

 
 
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