Unterkunft für zehn Familien in Sersheim gesucht Container als Gemeinde-Wohnungen

Von Michaela Glemser
Auf einer Obstbaumwiese neben dem Cap-Markt in der Talstraße könnten die Container als Wohnungen aufgestellt werden. ⇥ Foto: Martin Kalb

Die Gemeinde braucht Platz für etwa zehn Familien. Der Gemeinderat strebt an, ein Grundstück an der Ecke Tal- und Reichstraße interimsweise zu bebauen.

Das ehemalige Gelände des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins an der Ecke der Tal- mit der Reichstraße sieht idyllisch aus. Zahlreiche Obstbäume wachsen auf der Grünfläche. Zusammen mit den Planern eines Ludwigsburger Büros hat die Gemeinde jetzt mögliche künftige Perspektiven für dieses Areal in der Ortsmitte entwickelt.

Da an der Vaihinger Straße umfangreiche städtebauliche Neuordnungen anstehen, müssen die dort in den Wohnungen der Gemeinde untergebrachten zehn Familien umgesiedelt werden. Ausweichunterkünfte hat die Kommune in dieser Zahl aber nicht zur Verfügung. Daher haben die Planer einen Entwurf für ein dreigeschossiges Gebäude mit bezahlbarem Wohnraum auf besagter Grünfläche an der Reichstraße ausgearbeitet.

Kaum Alternativen

Diese Ideenskizze war Gegenstand der Diskussionen in der jüngsten Gemeinderatssitzung. „Wir brauchen weiteren bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde. Auf diesem Grundstück könnten wir kurzfristig Wohnungen unterschiedlicher Größe bereitstellen. Alternativen haben wir sonst kaum. Wir wollen heute grundsätzlich abfragen, ob die Gemeinderäte sich ein solches Projekt auf der Fläche an der Reichstraße vorstellen können“, betonte Bürgermeister Jürgen Scholz.

Gemeinderat Bastian Zeeb verwies darauf, dass die Integration dieser Art Wohnungen in der Ortsmitte und nicht am Ortsrand der richtige Weg sei. „Allerdings frage ich mich, wie eine mögliche Erweiterung des benachbarten Lebensmittelmarkts noch verwirklicht werden kann, wenn die Fläche an der Reichstraße bebaut ist“, erklärte Zeeb.

Stellplätze als Problem

Bürgermeister Scholz erwiderte, dass der Mietvertrag des Marktbetreibers mit der Eigentümergemeinschaft des Supermarktgebäudes in fünf Jahren auslaufe. Eine Erweiterung sei nicht mehr möglich, wenn das Freiareal nebenan bebaut sei. Gemeinderat Gerd Langer wiederum stellte fest, dass an der Ecke der Tal- mit der Reichstraße ohnehin schon hoher Parkdruck herrsche. Zusätzliche Stellplätze für das Objekt mit den sozialverträglichen Wohnungen seien an dieser Stelle kaum zu verwirklichen. Auch eine Tiefgarage zu bauen, sei unmöglich.

Diese Schwierigkeiten musste auch Bürgermeister Scholz eingestehen. Roland Kögele wiederum war vehement gegen die Realisierung bezahlbaren Wohnraums an der debattierten Stelle. „Das ist ein Filetstück in unserer Ortsmitte, das wir mit einem solchen Projekt nicht verbauen sollten. 13 Wohneinheiten, wie im Planentwurf vorgesehen, zu errichten ohne passende Parkmöglichkeiten ist für mich nicht denkbar“, unterstrich Kögele.

Gegen massive Bebauung

Sein Ratskollege Dietmar Götz regte an, das Grundstück nicht massiv zu bebauen, sondern nur mit Modul- oder Containerlösungen als Interimsunterbringung für einige Jahre, bis die Kommune wieder andere Ausweichquartiere zur Verfügung habe. „Wir können sonst dem Lebensmittelmarktbetreiber in fünf Jahren keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr bieten“, mahnte Götz.

Diesem Vorschlag schloss sich eine Ratsmehrheit bei vier Gegenstimmen an. Die Vertreter der Gemeindeverwaltung werden nun gemeinsam mit den Planern eine vorübergehende Lösung auf der Grünfläche entwickeln und vor allem die Stellplatzproblematik lösen. Auch die Zahl der Wohneinheiten soll reduziert werden. Außerdem werden die Vertreter der Gemeindeverwaltung prüfen, ob auf anderen Arealen im Gewerbegebiet „Aischbach“ oder in leerstehenden Gebäuden an der Vaihinger Straße bezahlbarer Wohnraum umgesetzt werden kann, wenn die Eigentümer zum Verkauf an die Kommune bereit sind.

„Wir haben heute noch keinen Baubeschluss gefällt. Das möchte ich ausdrücklich noch einmal klarstellen“, sagte der Sersheimer Rathauschef zum Schluss der Debatte. Auch das entsprechende Bebauungsplanverfahren „Talstraße Erweiterung, 2. Änderung“ haben die Gemeinderäte mehrheitlich auf den Weg gebracht.

 
 
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