Unverpacktladen in Bietigheim-Bissingen Über wenig Stauraum und große Zukunftspläne

Von Heidi Vogelhuber
Das Ehepaar Iva und Ondrej Vyroubal betreibt mittlerweile seit einem Jahr den Unverpacktladen „Schütte dir ein“ in der Schieringerstraße in der Bietigheimer Altstadt. Am Samstag, 14. Mai, findet im Laden eine kleine Jubiläumsfeier statt. ⇥ Foto: Martin Kalb

Iva und Ondrej Vyroubal betreiben seit einem Jahr den Unverpackt­laden „Schütte dir ein“ in der Schieringerstraße in Bietigheim-Bissingen. „Es gab viel zu lernen“, verraten sie der BZ.

Bekanntlich ist aller Anfang schwer. Für uns war es aber in doppelter Hinsicht schwierig“, sagt Ondrej Vyroubal und blickt im Gespräch mit der BZ auf das vergangene Jahr zurück. Gemeinsam mit seiner Frau Iva betreibt der Bietigheim-Bissinger den Unverpacktladen „Schütte dir ein“ in der Schieringerstraße – mittlerweile seit einem Jahr. Inmitten der Corona-Pandemie hat das Ehepaar den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Ein Fehler? „Rückblickend betrachtet war es eine gute Entscheidung“, sagt Ondrej Vyroubal.

Das Paar habe das Jahr nämlich genutzt, um zu lernen. Wie man mit Lieferanten, Social Media, Kontakten umgehe und welche Warenauswahl die richtige für Bietigheims Unverpacktladen sei, all das finde man nicht im Lehrbuch. „Es ist überall anders, individuell. Wir mussten es ausprobieren und herausfinden.“

Mitglied des Berufsverbands

Der Bietigheimer Unverpacktladen gehört dem Berufsverband der Unverpacktläden an, der 2018 in Nürnberg gegründet wurde und dem deutschlandweit gut 400 Verpackungsfrei-Läden angehören – unter anderem auch der Ludwigsburger Laden „Ohne Pla Pla“ sowie der Besigheimer Laden „AnNa unverpackt“ – beide Geschäfte eröffneten 2019.

Auch wenn Vieles individuell an den Standort angepasst werden müsse, erarbeite der Verband Richtlinien, beispielsweise für Hygiene-Regeln. „Die Vorschriften, die im Handel gelten, können nicht immer auf Unverpacktes angewendet werden“, erklärt Vyroubal. Daher führe der Verband Studien durch, veranstalte aber auch Events und Messen, um sich austauschen zu können. „Es ist schön, dass man sich gegenseitig nicht als Konkurrenz sieht“, sagt Ondrej Vyroubal, der zuvor über 20 Jahre in der Automobilbranche tätig war und Ende 2019 kündigte. „Dieser Stress, Druck, Zeitdruck, dass sich alles ums Geld dreht. Das alles ist in der Autobranche leider Standard. Eines Tages war es mir einfach zu viel. Ich habe es nicht mehr ertragen“, erklärt er.

Natürlich habe das Paar jetzt andere Sorgen – der Umbau des historischen Gebäudes hat sich als aufwändiger herausgestellt als anfangs vermutet und auch die Suche nach passenden Lieferanten habe eine Weile gedauert, denn einige hätten hohe Mindestbestellmengen, aber das Lager des Unverpackladens umfasst gerade einmal 13 Quadratmeter. Da könne nicht unnötig gebunkert werden. Doch trotz der neuen Herausforderungen sagt Ondrej Vyroubal: „Ich freue mich jeden Tag herzukommen.“

Wer im „Schütte dir ein“ einkaufe? Das sei sehr unterschiedlich, sagt der Inhaber. Frauen, aber auch Männer gehören zu den Stammkunden. Bei Senioren sei es vor allem die Tatsache, dass genau die benötigte Menge gekauft werden könne. „Manche kommen mit einem Kuchenrezept her und wiegen sich genau die Mengen ab, die sie verbacken. So bleibt nichts übrig und wird schlecht.“ Bei Jüngeren sei es oft der Anspruch, gute und regionale Lebensmittel aus Bio-Anbau plastikfrei kaufen zu können. Auch kämen Eltern mit ihren Kindern, da es gerade für die Kleinen ein Erlebnis sei, die Waren selbst abzufüllen. Kooperationen mit Schulen seien dem Ehepaar wichtig, um die Philosophie des Unverpackten schon an die Kleinsten weiterzugeben.

„Wir haben tatsächlich fast keine Laufkundschaft“, erklärt der Geschäftsinhaber. Bummler seien aber auch nicht die klassische Zielgruppe. „Unsere Kunden kommen vorbereitet, ausgestattet mit Gläsern und Behältnissen und einer Vorstellung davon, was sie brauchen.“ Der Durchschnittseinkauf eines Stammkunden koste 15 Euro. Die Idee sei, nur das Nötigste zu kaufen, um einen kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, nachhaltig zu leben und ja, auch Geld zu sparen. Und lieber öfters zu kommen, denn es muss auch alles nach Hause getragen werden. „Die meisten Kunden kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu uns.“

Regionalität ist wichtig

Gestartet war das Paar mit der Hälfte des jetzigen Sortiments, das neben Lebensmitteln auch Drogerieprodukte umfasst. „Unsere Eier holen wir von der 200 Meter entfernten Familie Oexle (Christians Freilandeier). Die Eier werden um 10 Uhr gesammelt und werden um 11 schon bei uns angeboten“, sagt Vyroubal. Das sei der Idealfall. Ganz so regional klappe es freilich nicht bei allem. 70 Prozent der Waren bestelle das Ehepaar bei Großhändlern aus der Region. Die übrigen Waren werden von regionalen Händlern und Anbauern geliefert oder zum Teil auch vom Chef persönlich abgeholt.

Anfangs sei es essenziell gewesen, die Kunden zu fragen, was sie im „Schütte dir ein“ finden wollen. Mittlerweile habe sich das Sortiment stabilisiert, trotzdem komme immer wieder Neues dazu. Für die Zukunft wünschen sich die Vyroubals Events wie kleine Seminare und Schulungen anbieten zu können – das sei bis jetzt durch die Pandemie verhindert worden.

 
 
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