Unwetter-Folgen im Kreis Ludwigsburg Schlammmassen verlangen nach fleißigen Händen

Von
Schlamm und Wasser bahnen sich in Oberstenfeld (großes Bild) sowie in Mundelsheim (rechts oben) und im Sauserhof ihren Weg durch die Straßen. Foto: SDMG/ Hemmann, Werner Kuhnle, 7aktuell.de

Das Unwetter hat Mundelsheim und Oberstenfeld heftig erwischt. Bilder von schwimmenden Mülltonnen flimmerten selbst in der Tagesschau über den Bildschirm. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

In der Nacht und am Tag nach dem heftigen Unwetter am Donnerstagabend ist vor allem eins angesagt: Aufräumen. Viele packen in den betroffenen Kommunen im Kreis Ludwigsburg mit an. „Die Arbeit der Einsatzkräfte und der Zusammenhalt sind toll“, loben die Bürgermeister unisono. Besonders heftig hat es Mundelsheim, Oberstenfeld und Teile von Großbottwar erwischt – was deutlich macht, dass der extreme Starkregen lokal sehr begrenzt herunterkam. Das Unwetter hatte sich gegen 18.30 Uhr bei Vaihingen an der Enz entwickelt, im Anschluss hagelte und regnete es im gesamten Landkreis teilweise ordentlich.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Starkregen setzt Arnulf-Klett-Passage unter Wasser

In den Bereichen Vaihingen und Bietigheim-Bissingen kam es mehrmals zu kurzfristigen Straßensperrungen. Insgesamt waren in der Nacht auf Freitag mehr als 200 Helfer im Einsatz. In Mundelsheim, Oberstenfeld und Großbottwar ging es aber besonders heftig zur Sache: In nur 40 Minuten fielen in Mundelsheim bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter vom Himmel, in Oberstenfeld waren es sogar bis zu 60 Liter pro Quadratmeter. Sturzflutartig rauschten Wasser- und Schlammmassen die Straßen entlang.

Mundelsheim Bilder von dem braunen Strom, der sich von der Großbottwarer Straße durch den Torturm die Hindenburgstraße hinunter seinen Weg bahnte, machten schon am Donnerstag in den sozialen Medien ihre Runden. Am Freitagmorgen ermahnte der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz am Telefon: „Machen Sie schnell, ich muss hier weiterschaufeln.“ Bis um 3 Uhr seien die Helfer im Einsatz gewesen und morgens gleich wieder ab 6 Uhr. Das Ziel: den Ort bis zum Käsbergfest, das am Freitagabend beginnt, wieder „halbwegs sauber“ zu haben. Mit Erfolg. Schon am späten Vormittag kann Seitz melden: „Es sieht schon gut aus.“

Dramatische Lage

Am Abend zuvor hingegen sei die Lage dramatisch gewesen, so die Einschätzung von Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Er war unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Wenn einem ein Golf IV schwimmend in den Wassermassen mitten in Mundelsheim entgegenkommt, stockt einem schon der Atem. So etwas habe ich noch nie gesehen.“ Da kommen für den Kreisbrandmeister Erinnerungen an Katastrophen wie Braunsbach hoch. Glücklicherweise hat es beim Unwetter am Donnerstag im Landkreis aber keinen Personenschaden gegeben, so Dorroch. Wohl aber unterspülte Straßen und freigelegte Gas- und Wasserleitungen. „Eine große Herausforderung für die Helfer.“ Aber: „Ich bin sehr zufrieden. Alle Zahnräder haben ineinander gegriffen.“

Lesen Sie aus unserem Angebot: „Claus Hutter übt Kritik an geplantem Gewerbepark“

Nach ersten Erhebungen der Polizei liefen im Ortskern Mundelsheim etwa 25 Keller voll, zudem kam es zu einem Stromausfall im Bereich der Großbottwarer Straße, der bis gegen Mitternacht dauerte. Da für die Nacht neue Regenfälle angekündigt waren, wurden am Postweg vorsorglich mobile Dämme errichtet. Das Käsbergfest am Wochenende wird wegen des Gerölls, das es auf die Weinbergwege gespült hat, „eine Etage höher“ stattfinden – im Himmelreich. Für betroffene Bürger hat sich über den CVJM schon eine entsprechende Hilfsgruppe gegründet.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Neun Monate nach der Flut

Oberstenfeld Der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann war selbst noch im Rathaus, als das Unwetter losging und so quasi mittendrin im Geschehen. „Es kamen große Mengen Wasser und Schlamm von oben von den Feldern über die Forststraße bis zur Großbottwarer Straße“, berichtet er. So etwas habe es in dieser extremen Form in den vergangenen 50 Jahren nicht gegeben, lautete der Tenor im Ort. „Starkregenereignisse wie diese sind deutschlandweit zunehmend zu beobachten“, so Kleemann. „Am Donnerstag hatten wir das Pech, dass wir dran waren.“ Nur einen Kilometer weiter, in Beilstein, sei es vergleichsweise glimpflich ausgegangen. Dennoch sei die Lage dramatisch gewesen. Zumal im Teilort Gronau ein Blitz in ein Hausdach einschlug, wobei auch kurzzeitig Personen eingeschlossen waren.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Wo der Klimawandel im Land heute schon spürbar wird

Aber sowohl das, als auch die Hochwassersituation habe die Feuerwehr vorbildlich in den Griff bekommen. Wehren aus der Umgebung rückten zusätzlich zur Hilfe an, auch der Bauhof, weitere Gemeindemitarbeiter und Bürger packten tatkräftig mit an. „Es ist toll, wie sich die Menschen gegenseitig geholfen haben“, erzählt Kleemann. Insgesamt sind in Oberstenfeld etwa 50 Keller unter Wasser gestanden, auch der des Rathauses. In die Lichtenbergschule, ins Bahnhöfle und ins Bürgerhaus drang ebenfalls Wasser ein.

Großbottwar In der Storchenstadt selbst hielten sich die Schäden durch das Unwetter vom Donnerstagabend in Grenzen. Stark betroffen waren jedoch die Teilorte Winzerhausen und Sauserhof. Hier liefen einige Keller voll, sowohl die Straße zwischen Winzerhausen und Großbottwar als auch die Straße nach Oberstenfeld waren gesperrt. „Und hier hätte ich mir von den Autofahrern doch etwas mehr Einsicht gewünscht“, klagte der Bürgermeister Ralf Zimmermann über diejenigen, „die meinen, so eine Sperrung gilt für alle, aber nicht für sie selbst“.

„Der Stockbrunnen hat Großbottwar mal wieder wirklich gerettet“

Feuerwehr und Bauhof hätten jedenfalls einen „super Job“ gemacht, betont der Großbottwarer Rathauschef. Gleiches gelte für die Hochwasserrückhaltebecken: „Der Stockbrunnen war ordentlich voll und hat Großbottwar mal wieder wirklich gerettet.“

 
 
- Anzeige -