Vaihinger Mechaniker „Alle Schlepper sind gleich liedrig“

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Am liebsten schraubt Ulrich Setzer in seiner Werkstatt in Horrheim. Foto: /Martin Kalb

Ulrich Setzer aus Vaihingen schraubt an Landmaschinen seit er 16 Jahre alt ist. Die elektronische Ausstattung der modernen Maschinen bewertet er kritisch.

Ein Weinberg-Schlepper steht in zwei Hälften geteilt in der Einfahrt von Ulrich Setzers Werkstatt in Vaihingen-Horrheim. Es riecht nach Öl und Schmierfett. Fässer und Kanister, Schraubenzieher und Feilen, Sägen und Zylinder stehen in wohlgeordnetem Chaos in der Halle. Der 69-jährige Landmaschinen-Mechaniker kümmert sich um alles, was Landwirte brauchen. Seine Spezialität: Defekte Maschinen.

„Landmaschinen habe ich gelernt“, sagt Setzer, der mit 16 Jahren auch gerne Förster geworden wäre. Aber dafür hätte er studieren müssen. Sein Vater habe ihm vor allem davon abgeraten, Müller zu werden – aus eigener Erfahrung. „Mein Vater hat auch gerne geschraubt“, erinnert sich Setzer, dessen Werkstatt neben seinem Elternhaus, der Horrheimer Mühle, untergebracht ist.

Eigene Werkstatt

Grubber, Pflug und Mähdrescher: An den richtig großen Landmaschinen muss er nicht schrauben, erzählt Setzer. Dafür ist der Maschinenring zuständig – eine Vereinigung von landwirtschaftlichen Betrieben, die Landmaschinen gemeinsam anschaffen, warten und nutzen. Aber auch bei kleineren Geräten gibt es viel zu tun. Der Wiesenmäher, den Setzer mithilfe von Seilen auf Augenhöhe gezogen hat, funktioniert nicht mehr. „Keine Kompression“, lautet die Diagnose des Mechanikers. „Es liegt an den Zylinderringen“, weiß Setzer. Das ungeübte Auge kann nichts erkennen. „Die Ringe sind unterschiedlich stark abgenutzt, deshalb kann kein Druck entstehen.“ Die Spuren der Abnutzung erkennt der Maschinenspezialist sofort.

„Ich brauche meistens nur eine Schraube“

Manche Probleme kann er selbst beheben, bei anderen braucht er die Zuarbeit anderer Firmen oder Handwerker, erzählt Setzer. Nur das mit den Ersatzteilen ist so eine Sache. „Ich brauche meistens nur eine Schraube mit einem bestimmten Durchmesser für eine Reparatur“, sagt er. Wenn er die dann bestellen möchte, dann bekomme er Schrauben gleich im hunderter Pack angeboten. „Wenn ich dann erkläre, dass ich nur eine einzige benötige, wird es am anderen Ende der Leitung still“, lacht Setzer: „Aber was soll ich damit machen, sie mir hier ins Regal legen?“ Letztlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als das kleinste Päckchen zu ordern, was für ihn und den Kunden dann aber wieder teurer werde. Es sei ein betriebswirtschaftlicher Balanceakt, sagt Setzer.

Am liebsten schraubt er in der Werkstatt. Aber oft genug muss er sich im Büro durch Formulare und Anträge quälen, kritisiert er. Gefragt, ob die Maschinen denn heute alle besser seien als früher, muss der Mann mit der Lesebrille auf der Nase und dem trockenen Humor lachen. „Es gibt keine schlechten Schlepper mehr“, sagt Setzer, „sie sind alle gleich liedrig.“

Die Tücken der Elektronik

Die neuen Maschinen zum Beispiel, die der Abgasvorschrift genügen müssen, seien allesamt mit Automatikgetrieben ausgestattet und elektronisch gesteuert. Mit einem Joystick werde die Maschine in Bewegung gesetzt. Was für einen punktgenauen Einsatz auf dem Feld sorgt, habe aber seine Tücken. Wenn es Probleme gibt, sei oft die Elektronik schuld. Und dann könne er nicht weiterhelfen. „An die Elektronik lange ich nicht hin“, sagt Setzer. Jeder Hersteller verwende eine eigene Software, für die er im Jahr jeweils einige tausend Euro Lizenzgebühr zahlen müsste. Alles sei eng verbaut, mit Plastik verkleidet. Viel mehr als die Sicherungen zu prüfen könne er bei Problemen mit der Elektronik nicht, erklärt Setzer, da müsse der Hersteller ran. Was er aber noch für viel schlimmer hält: „Für fünf Prozent der großen Fahrzeugen wird es in 20 Jahren keine Ersatzteile mehr geben“, ist Setzer überzeugt. Dann müsse ein Neues her.

Kunden aus der Region

Setzers Kunden kommen überwiegend aus der Region: Horrheim, Sersheim. Einige wohnen zwar in Stuttgart, kämen aber zu ihm, weil sie in der Nähe ein Stückle besitzen, erzählt er. Am liebsten hat der Mechaniker es, wenn seine Kunden ihre Maschinen auch zu ihm bringen. Einmal habe er einen Oldtimer bei dem Kunden daheim repariert, aber das habe sich hingezogen. In seiner eigenen Werkstatt habe er alles, was er für seine Arbeit braucht. Und die Tätigkeiten, die er nicht selbst erledigen kann, etwa das Honen des Zylinders bei dem Wiesenmäher, wie man die Feinbearbeitung nennt, übernehme eine Firma in Ludwigsburg. Unterstützt wird Setzer von seiner Frau, die den Zylinder in Oßweil vorbeifährt. Wenn etwas Schweres gehoben werden muss, hilft ein junger Landwirt aus.

Drei Jahre in Nigeria

Von seiner Werkstatt aus, über der er auch wohnt, blickt er auf sein Elternhaus. Früher hat er als Mechaniker in einem Steinbruch gearbeitet und für einige Zeit auch in einer Saftfabrik. Später gründete er seine eigene Werkstatt, zunächst im Nebenerwerb. Ulrich Setzer hat die Meisterschule besucht. Und als ein Produzent für Landmaschinen aus Schwieberdingen jemanden suchte, der sich in Nigeria um Maschinen kümmert, witterte Setzer ein Abenteuer – und bewarb sich.

Von 1980 bis 1983 lebte er in Afrika und kümmerte sich vor Ort um Grubber und Sähmaschinen. „Da habe ich nicht Schwerter zu Pflugscharen umgebaut, sondern dafür Laufplatten von Raupen genutzt“, erinnert sich Setzer und lacht. „Damals war die Welt eine andere“. Von den 8000 Hektar Land mussten 3000 Hektar gepflügt werden. Wenn die Maschinen nicht rund liefen, suchten die Fahrer Hilfe bei Setzer, der sich dann etwas einfallen lassen musste. Ganze Maschinengetriebe seien damals von Vertretern im Handgepäck nach Nigeria gebracht worden, erzählt Setzer. Er hat die Zeit im Ausland genossen, sagt er, sei viel im Land herumgereist. Doch nach einiger Zeit stand für ihn fest, dass er nach Horrheim zurückkehren würde – um sich hier um Maschinen zu kümmern, die mit falschem Kraftstoff betankt wurden oder deren Kolbenringe verschlissen sind.

 
 
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