Verein „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien“ aus Bietigheim-Bissingen „Das größte Problem ist die Armut“

Von Uwe Mollenkopf
Kinder beim Essen in Myanmar. Die Versorgungslage hat sich verschlechtert.⇥ Foto: Amanatidis

Dr. Wassilios Amanatidis ist besorgt über die Lage in Myanmar, wo er über den Verein „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien“ seit Jahren hilft.

Immer wieder erreichen Dr. Wassilios Amanatidis derzeit alarmierende Nachrichten aus Myanmar. Erst kürzlich habe er erfahren, dass eine deutschsprachige Reiseführerin in einem Dorf mit knapp 100 Familien 500 Kilogramm Reis für diese Familien gekauft habe. Gekommen seien aber fast 200 Frauen, um diese Spende zu bekommen. Offensichtlich habe sich das Angebot in den umliegenden Dörfern schnell herumgesprochen. Denn in Myanmar herrscht Hunger, so der frühere Kinderarzt und Stadtrat aus Bietigheim-Bissingen, der in Myanmar über den Verein „Pro Waisenhaus Süd-Ost-Asien“ zwei Waisenhäuser unterstützt. „Das zurzeit größte Problem ist die extreme Armut der Bevölkerung.“

Pandemie und Militärputsch

Amanatidis sieht die Ursachen in der Corona-Pandemie und der neuen politischen Situation in dem Land. Im Februar dieses Jahres hat es dort einen Militärputsch gegeben, seitdem hat die Armee das Sagen. Hilfe vom Staat sei kaum vorhanden, weiß Amanatidis. „Wegen des Putsches, Covid-19 und auch der Kämpfe sind viele Leute aus den Städten arbeitslos geworden“, heißt es etwa in einem Bericht, der ihn bereits im Juli erreicht hat. Die Leute aus manchen Dörfern seien Flüchtlinge geworden und hätten ein schweres Leben.

Amanatidis will mit seinem Verein helfen und zwei deutschsprachige Reiseleiter bei ihren Versuchen, die Not zu lindern, unterstützen. Er hofft, dafür die nötigen Spenden zusammenzubringen. Er hat sich aus diesem Grund auch bereits im Oktober an die Stadt mit der Bitte um Hilfe gewandt. Die Stadt hat den Verein bereits im November 2020 mit einem Scheck in Höhe von 1000 Euro zum Kauf eines Traktors für das Waisenhaus in Taunggyi unterstützt. Das Spendengeld war allerdings zur Reparatur der vorhandenen Fischteiche und zum Bau neuer Teiche eingesetzt worden, weil der Traktor aufgrund der Corona-Ausgangssperre und des Militärputsches bis dahin noch nicht hatte beschafft werden können.

Eine weitere Möglichkeit, Spenden für den Verein zu beschaffen, fällt dieses Jahr flach: Wegen einer Erkrankung konnte Dr. Amanatidis keinen Stand im Sternlesmarkt in der Bietigheimer Altstadt organisieren – was aufgrund der Absage des Marktes nun aber ohnehin obsolet geworden wäre. Er hofft nun, auch so weitere Spenden für die Menschen in Myanmar generieren zu können.

Immerhin gibt es auch positive Meldungen aus dem Land. „Unserem Waisenhaus geht es noch gut“, weiß Amanatidis. Der Anbau von vielen Gemüsesorten, Mais und das Betreiben einer Fisch-Schweine-Geflügel-Zucht nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ würden helfen, die Ausgaben zu 60 bis 70 Prozent zu erwirtschaften. Die Schulen dort seien geschlossen, aber die schulpflichtigen Kinder würden von Fachpersonal gegen entsprechendes Honorar unterrichtet.

 
 
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