Verwaltungsausschuss Besigheim Auswirkungen der Pandemie: Entwicklung der Schulkinder gestört

Von Helena Hadzic
Eine Entwicklungsverzögerung der Schulkinder auf sozialer und emotionaler Ebene sind das Resultat der Corona-Pandemie: Ein Problem, mit dem sich die Friedrich-Schelling-Schule noch einige beschäftigen wird. Foto: /Oliver Bürkle

Schulsozialarbeiter Joscha Fischer hat dem Verwaltungsausschuss seinen Jahresbericht für die Besigheimer Friedrich-Schelling-Schule vorgestellt: Psychosoziale Störungen sind das Resultat.

Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben auf den Kopf gestellt. Isolation und Quarantäne während der Hochzeit der Coronajahre haben nicht nur bei Erwachsenen Spuren hinterlassen, sondern auch bei den Kleinsten. Die längere Zeit zuhause bei der Familie – abgeschnitten von sozialen Kontakten – und der Ausfall des Präsenzunterrichts sind den Schulkindern der Friedrich-Schelling-Schule teuer zu stehen gekommen. Das Resultat: Soziale Defizite, psychosoziale Störungen und ein Hinterherhinken in der Entwicklung sind die Probleme, vor denen der Schulsozialarbeiter, die Lehrkräfte und Eltern nun stehen. Das jedenfalls ist die Meinung des Schulsozialarbeiters Joscha Weber, der an der Besigheimer Friedrich-Schelling-Schule tätig ist. In seinem Jahresbericht hat er in der jüngsten Sitzung den Verwaltungsausschusses in Besigheim von seinen Beobachtungen unterrichtet.

Den Problemen begegnen

„Die Befürchtungen vor Beginn des letzten Schuljahres haben sich bestätigt“, sagte Weber. Deshalb habe es viele gemeinschaftliche Projekte gegeben. „Wir mussten dieser neuen Herausforderung begegnen und was tun.“

Zwei Projekte hob er in besonderen Maße hervor: Das Projekt „Grau muss Bunt weichen“, in dem Kinder gemeinsam Hockeyfelder und andere Spiele auf den Boden gemalt haben und sich so im Team kreativ ausleben konnten. Dies habe vor allem die „Selbstwirksamkeit“ der Kinder angeregt. Auch das Projekt „Sozialkompetenztraining vor Ort“ über einen längeren Zeitraum war von enormer Wichtigkeit. Dabei ging es darum, sogenannte Soft Skills (methodische, kommunikative oder soziale Fähigkeiten) kognitiv zu begreifen und durch wiederholende Trainingseinheiten vor Ort, also an der Schule selbst, einzuüben. So wurden beispielsweise „Kontaktübungen“ und Teamprojekte spielerisch durchgeführt und im Nachgang reflektiert. Dies solle die Kommunikationsfähigkeit fördern.

Probleme der nächsten 15 Jahre

„Besonders spannend war, dass ich alle ersten Klassen im letzten Schuljahr begleitet habe“, betont der Schulsozialarbeiter. Dabei wurden negativen Auswirkungen der Pandemie sichtbar: „wachsende soziale Unreife“ und „das nicht frühzeitige Erkennen psychologischer Schieflagen“. Das Sozialkompetenztraining sei dabei eine sinnvolle Praxis, diesem Problem zu begegnen. Weber hofft, dass auf diese Weise eine Rückentwicklung der psychosozialen Störung langfristig eintritt. Aber eines stehe fest: „Mit diesen Entwicklungsverzögerungen werden wir uns noch die nächsten 15 Jahre beschäftigen“, so Weber.

Dr. Herbert Tröster (BMU) fragte, ob es ein Fehler war, die Schule während der Pandemie zu schließen und die Kinder daheim zu lassen. Weber entgegnete: „Gesundheitlich gesehen kann ich nichts sagen – aber rein emotional und sozial muss ich sagen: ja.“

 
 
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