Wahl des Ersten Bürgermeisters in Bietigheim-Bissingen Michael Hanus tritt die Nachfolge von Joachim Kölz an

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Der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat hat im Kronenzentrum einen neuen Ersten Bürgermeister gewählt. Foto: Oliver Bürkle

Mit 19 zu 11 Stimmen setzte sich der Plochinger Beigeordnete am Dienstag im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat gegen seinen Konkurrenten durch.

Auf ein Neues, hieß es am Dienstagabend im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat. Vor knapp vier Monaten, am 30. März, war die Wahl eines Nachfolgers von Joachim Kölz als Erstem Bürgermeister schon einmal auf der Tagesordnung des Gremiums gestanden. Doch der Bürgermeister von Weissach im Tal, Ian Schölzel, der sich als einziger Bewerber im Kronenzentrum dem Gremium vorstellen sollte, zog überraschend seine Kandidatur zurück, weil er von vielen in seinem Heimatort darum gebeten worden war zu bleiben (die BZ berichtete). Daraufhin hatte der Gemeinderat eine Neuausschreibung beschlossen. Nun, im zweiten Anlauf, klappte es: Die Stadträte wählten Michael Hanus, den Ersten Beigeordneten und Stadtkämmerer der Stadt Plochingen, zum neuen Ersten Bürgermeister für acht Jahre. Er setzte sich mit 19 zu 11 Stimmen gegen seinen Konkurrenten Andreas Großmann, den Leiter des Rechnungsprüfungsamtes der Landeshauptstadt Stuttgart, durch.

Wie Oberbürgermeister Jürgen Kessing mitteilte, waren auf die Wiederholungsausschreibung vom 15. Mai insgesamt 18 Bewerbungen – eine Bewerberin und 17 Bewerber – eingegangen. Die Frau und zehn ihrer männlichen Mitbewerber wurden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Zwei Bewerber und die Bewerberin hätten ihre Kandidatur nach der – nichtöffentlichen – Vorstellung im Finanz- und Verwaltungsausschuss zurückgezogen. Schließlich blieben zwei Bewerber übrig, die um die Stimmen der Stadträte im  Gemeinderat werben durften.

Der unterlegene Kandidat, Andreas Großmann (57, verheiratet, drei Kinder), hatte in seiner Rede auf mehr als 30 Jahre Berufserfahrung verwiesen. Er war nach dem Abschluss des Studiums an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg in der Verwaltung in Untereisesheim, Heilbronn, Schwäbisch Hall und Stuttgart tätig. Der Finanzexperte („Finanzen waren schon immer meine Sache“), der aus Heilbronn stammt und auch dort wohnt, leitet seit 2015 in der Landeshauptstadt das Rechnungsprüfungsamt. In Bietigheim-Bissingen bewerbe er sich, weil alles passe und ihm die Stadt sehr gut gefalle, erklärte er. Der Kandidat, der sich nicht als Politiker, sondern als „Macher“ bezeichnete, sagte, er habe in seinen bisherigen Tätigkeitsbereichen schon Oberbürgermeistern die Stirn geboten und wolle auch in Bietigheim-Bissingen einen eigenen Standpunkt haben. Seine engagierte Rede beendete Großmann mit „Ja, ich will“.

16 Jahre Beigeordneter

Dagegen betonte sein Konkurrent Michael Hanus (55, ebenfalls verheiratet, drei Kinder), der sich in seiner Vorstellung konzilianter gab, er werde eigene Schwerpunkte setzen, Loyalität zum Oberbürgermeister sei ihm aber ebenfalls wichtig. Der Schwabe, der aus Waiblingen kommt, wo er 1985 am Staufer-Gymnasium das Abitur machte, hat persönliche Verbindungen nach Bietigheim-Bissingen. Ein Schwiegersohn kommt von hier. Er versprach, in ein oder zwei Jahren hierher zu ziehen.

Hanus war zunächst bei der Waiblinger Stadtverwaltung und beim Landratsamt des Rems-Murr-Kreises als Inspektorenanwärter tätig, bevor er an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg studierte. Später schloss sich noch ein Studiengang zum Betriebswirt (VWA) an. Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren die Katholische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart- Filder, wo er Verwaltungsleiter war, das Umweltschutzamt des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis (Sachbearbeiter und stellvertretender Sachgebietsleiter) und die Stadtkämmerei Stuttgart (Sachbearbeiter in der Abteilung Betriebswirtschaft und Beteiligungen).

1997 wechselte Hanus zur Stadt Aalen, wo er als Kämmereiamtsleiter und stellvertretender Fachdezernent für die Finanz- und Vermögensverwaltung arbeitete, bevor er 2002 bei der Stadt Plochingen (14 500 Einwohner) anfing. Hanus begann hier als Kaufmännischer Werkleiter des Eigenbetriebs Stadtwerke und Stadtkämmerer, 2005 folgte die Wahl zum Ersten Beigeordneten. Als solcher ist er als Geschäftsführer beziehungsweise Bereichsleiter auch für verschiedene städtische Betriebe zuständig – eine Aufgabe, die auch in Bietigheim-Bissingen zum Portfolio des Ersten Bürgermeisters gehört. Er wolle seine Erfahrung aus 16 Jahren Beigeordneter einbringen, versicherte Michael Hanus den Stadträten.

Amtsantritt noch unklar

Auf die Nachfrage von SPD-Fraktionschef Thomas Reusch-Frey, wie der Bewerber zu Krediten stehe, erklärte Hanus, er wäre „mit Sicherheit nicht der Schuldenminister“. Zuvor hatte er sich zur Bedeutung geordneter Finanzen bekannt und – im Persönlichen – zu einem Umgang mit Menschen „möglichst auf Augenhöhe“. Eine zweite Amtszeit – so vom Gemeinderat gewollt – sei möglich.

Die Entscheidung für Michael Hanus fiel in geheimer Wahl nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung. Oberbürgermeister Kessing bewertete das Ergebnis so, dass sich niemand schämen müsse.

Zu welchem Termin Hanus sein Amt in Bietigheim-Bissingen antreten kann, ist noch offen.

 
 
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