Warnstreik im Tarifkonflikt mit den privaten Busunternehmen im Landkreis Ludwigsburg Busfahrer streiken für faire Schichten

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Etwa 350 Busfahrer haben am Donnerstagmorgen vor dem Bahnhof in Bietigheim gestreikt.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Direkt am Bahnhof sind am Donnerstagmorgen 350 Busfahrer aus dem ganzen Landkreis zu einer Kundgebung im Rahmen des Warnstreiks zusammengekommen.

Ein Großteil der Busfahrer im Landkreis hat am Donnerstag gestreikt. Hintergrund sind die Tarifverhandlungen für das mittelständische Omnibusgewerbe in Baden-Württemberg zwischen dem Arbeitgeberverband WBO und der Gewerkschaft Verdi.

Der Konflikt hat sich vor allem an der Bezahlung von Pausen entzündet. Die Gewerkschaft fordert, dass während einer Dienstschicht nur die nach Arbeitszeitgesetz vorgeschriebenen Pausenzeiten unbezahlt bleiben. Die Arbeitgeber wollten dagegen mehr als das Vierfache der gesetzlichen Pausenzeiten unbezahlt lassen, so Verdi.

Was das in der Praxis bedeutet berichtete ein Busfahrer aus dem Rems-Murr-Kreis der BZ: Er habe eine Zehn-Stunden-Schicht gehabt, sei aber nur für 7,5 Stunden bezahlt worden. „Die restlichen 2,5 Stunden habe ich auch im Bus gesessen. Da kann ich nicht spazieren gehen, weil diese Pausenzeiten eben nicht am Stück sind sondern eher 10 bis 15 Minuten jeweils“, sagt der Busfahrer, der unbekannt bleiben möchte. Nur die Pausenzeit, die über der gesetzlich vorgeschriebenen Pause pro Schicht anfallen, sollten nach seiner Meinung zumindest teilweise vergütet werden.

Kein Demonstrationszug

Weil eine Einigung in dem Punkt nicht in Sicht ist, hatte die Gewerkschaft erneut zum Warnstreik aufgerufen. Zentraler Streikort war Bietigheim-Bissingen, wo die Busfahrer von Spillmann die Arbeit niederlegten und wo am Morgen auch eine Kundgebung stattfand.

Nach Polizeischätzungen trafen sich dazu etwa 350  Busfahrer auf dem Bahnhofsvorplatz in Bietigheim. Dort, wo sonst Busse im Minutentakt an- und abfahren, ging nichts mehr. Das sorgte bei einigen potenziellen Fahrgästen für verdutzte Gesichter, nicht wenige marschierten kurzerhand zu Fuß in Richtung Innenstadt.

Einen Demonstrationszug hatten die Streikenden eigentlich auch geplant, zunächst war angedacht über die B27 zum Marktplatz zu laufen. Das sei aber, so Suzana Tedesco von Verdi, wegen der Corona-Auflagen nicht möglich, der Marktplatz zu klein für die angemeldeten 400 Teilnehmer. Die Alternativroute über die Wobachstraße in den Bürgergarten wollte Verdi wiederum nicht nehmen, deshalb entschlossen sich die Organisatoren in Abstimmung mit der Polizei dazu, die Kundgebung auf den Bahnhofsvorplatz zu verlegen.

Harte Bandagen

Neben Tedesco redete dort unter anderem auch Hanna Binder, Verhandlungsführerin von Verdi. Sie berichteten von harten Bandagen: „Die WBO sagte, sie wolle erst an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn wir uns für unsere Forderungen entschuldigen. So etwas hab ich noch nie erlebt“, sagte Tedesco. Sie berichtete zudem von einem Vorfall in Weissach, wo zwei Streikenden beim Versuch einen Bus an der Losfahrt zu hindern, verletzt worden seien. Das Polizeipräsidium bestätigt den Vorfall. Es gebe wechselseitige Anzeigen, denn der Busfahrer habe die Nötigung angezeigt durch die Streikenden, die sich vor seinem Gefährt aufgebaut hätten.

Aber es gab auch versöhliche Töne. Binder, die mit drastischen Worten die Arbeitsbedingungen kritisierte, informierte, dass die Arbeitsgeberseite nun anscheinend doch gewillt sei, weiter zu verhandeln. Das sei ein Verdienst der Warnstreiks.

Goran Tolic, Betriebsratsvorsitzender bei Spillmann, war es zudem wichtig darauf hinzuweisen, dass Spillmann und auch LVL Jäger zu den Busunternehmen gehörten, die schon jetzt eine faire Pausen- und Schichtregelung hätten. „Wir haben vor allem aus solidarischen Gründen am Streik mitgemacht“, so Tolic.

 
 
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