Weinlese Wenig Stadtwein mit vielen Oechsle

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Weinlese im stadteigenen Weinberg auf dem Hohen Spielberg. Von links: Stadtkämmerer Lars Roller, Bürgermeister Holger Albrich und die stellvertretende Kämmerin Melanie Schrempf.⇥ Foto: Martin Kalb

Muskat-Trollinger für den Sachsenheimer Stadtwein wurde gelesen.

Eine hoch motivierte Helfertruppe hat sich am Freitag um Bürgermeister Holger Albrich bei bestem Lesewetter in den Weinbergen auf dem Hohen Spielberg versammelt. Einen Blick für die schöne Landschaft und das in der Herbstsonne liegende Spielberg, haben die Erntehelfer an diesem Nachmittag nicht. Stattdessen stürzen sie sich, mit Rebscheren und Eimern bewaffnet, auf die reifen Trauben im städtischen Weinberg. Die Gemeinderäte Lothar Makkens (FW), Helga Niehues (SPD und Hugo Ulmer (CDU), sowie der Kämmerer Lars Roller und Melanie Schrempf, stellvertretende Kämmerin, werden zudem vom Hohenhaslacher Wengerter Reiner Wirth und dessen Lesemannschaft tatkräftig unterstützt.

Die Stadt hat den Wengert 1996 ursprünglich als Ausgleichsfläche ersteigert, aber der Spielberger Ortschaftsrat hat, wie Hugo Ulmer weiß, damals darauf gedrängt, dass der Wengert im städtischen Eigentum bleibt. Seither bewirtschaftet die Stadt den Weinberg selbst. Besser gesagt, seither pflegt Reiner Wirth die Rebfläche in bester Lage auf dem Hohen Spielberg. Was da wächst, kann sich wahrlich sehen lassen: Die seltene Rebsorte Muskat-Trollinger gedeiht hier prächtig.

Rebsorte seit 1836 belegt

Der Muskat-Trollinger ist nach Meinung von Fachleuten, vermutlich als besonders gute Laune der Natur, aus dem Trollinger mutiert. Bis 1836 lässt sich diese spät reifende Rotweinsorte zurückverfolgen. Inzwischen gilt der Muskat-Trollinger als besondere Spezialität und Liebhaberwein. 25 Ar umfasst der Städtische Wengert mit seinen 26 Zeilen. Die Ernte reichte in den vergangenen Jahren je nach Jahrgang für etwa 2000 bis 3000 Flaschen, die traditionell von den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu abgefüllt werden. Das Sachsenheimer Eigengewächs hat einen hervorragenden Ruf und wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach mit goldenen Preismünzen ausgezeichnet.

Bürgermeister Holger Albrich geht die Weinlese routiniert von der Hand. Traube um Traube wandert in die bereitgestellten Eimer. Schon als kleiner Junge hat er regelmäßig in Hohenhaslach im Weinberg von Bekannten der Eltern mitgeholfen. Albrich sieht in den Trauben nicht nur ein Nahrungsmittel beziehungsweise Getränk, sondern auch ein Stück Kulturgut, das es zu bewahren gelte. Besonders stolz ist Albrich darauf, dass es in Sachsenheim etliche Weinbaubetriebe gibt, die seit Generationen im Familienbesitz sind und diese Tradition fortführen. Für Holger Albrich ist es bereits die zweite Lese im stadteigenen Wengert. Zwischendurch erschallt von Helga Niehues der Ruf nach leeren Eimern. Sie und ihre Gemeinderats-Kollegen Hugo Ulmer und Lothar Makkens haben ganze Arbeit geleistet, etliche volle Eimer wollen geleert werden.

Etwa 900 Kilogramm geerntet

Zusehends füllt sich der Traubenheber am Traktor von Reiner Wirth mit den großen dunklen Beeren. Auch der Muskat-Trollinger hat, wie Wirth bestätigt, unter dem Frost im Mai stark gelitten. Die Qualität der zuckersüßen Trauben stimme, der Ertrag leider nicht. Reiner Wirth schätzt, dass rund Zweidrittel der Trauben dem Frost im Frühjahr zum Opfer fielen, die Trockenheit tat ihr Übriges.

Nach rund anderthalb Stunden ist die Lese beendet. Letztendlich hat die fleißige Helfertruppe etwa 900 Kilogramm Muskat-Trollinger Trauben gelesen. Eine, nach Aussage von Reiner Wirth, sehr unterdurchschnittliche Erntemenge. Bei den Oechsle kommt hingegen echte Freude auf, diese liegen bei rekordverdächtigen 83 bis 85 Grad, ein Spitzenwert, wie Reiner Wirth betont. Alles in allem dürfte, angesichts der mageren Ausbeute, die gelesene Menge für weniger als 1000 Flaschen Sachsenheimer Stadtwein reichen, so die Aussage des Experten.

Info Im freien Verkauf ist der Sachsenheimer Stadtwein nicht erhältlich. Nur bei besonderen Anlässen wird der edle Tropfen ausgeschenkt und bei Jubiläen verschenkt. Bei wenigen Veranstaltungen, wie dem Sachsenheimer Weihnachtsmarkt, der dieses Jahr ausfällt, ist der Stadtwein normalerweise zu kaufen. Bei der Stadtverwaltung hat man sich bereits Gedanken gemacht, wie die Sachsenheimer doch noch das eine oder andere Fläschchen des begehrten Stadtweins kaufen können. Nach Auskunft von Kämmerer Lars Roller, ist ein öffentlicher Weinverkauf nach derzeitigem Stand, Ende November geplant.

 
 
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