Wird es eine Freibad-Saison 2021 geben? Freibäder als wichtiges Freizeitangebot

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So sorglos wie bei der Saisoneröffnung am 1. Mai 2019 wird es dieses Jahr im Bietigheimer Badepark Ellental wohl nicht aussehen. Trotzdem ist die Hoffnung wie in den übrigen Bädern im Kreis groß, dass eine Öffnung unter Auflagen möglich ist. ⇥ Foto: Martin Kalb/Archiv

Die Freibäder im Kreis sind entschlossen zu öffnen, sobald sie dürfen. Die Menschen bräuchten vor Ort Freude und Erholung, vor allem weil Reisen schwierig sei, so die Betreiber.

Vieles ist zur Zeit nicht möglich, das Thema Reisen ist eher schwierig. „Umso wichtiger ist ein Freizeitangebot vor Ort“, sagt German Thüry, Leiter der Stadtwerke Bönnigheim sowie der Mineralbäder. Noch stehe natürlich in den Sternen, wann die Bäder öffnen können. Dass sie jedoch – sobald sie das Go von Bund und Land bekommen – öffnen, darüber sind sich viele Betreiber im Landkreis Ludwigsburg einig.

2020 habe das Bönnigheimer Freibad erst Ende Juni öffnen könne, normalerweise ist der 1. Mai der Eröffnungstag. Mit gut 600 000 Euro sei man in Abmangel geraten, sagt Thüry im Gespräch mit der BZ. Das Defizit sei 80 000 Euro höher als angenommen. Und doch zeigt sich der Leiter der Stadtwerke zufrieden mit der vergangenen Saison: „Der Corona-Betrieb hat funktioniert und unsere Gäste waren froh und zufrieden, dass wir aufgemacht haben.“ „Wir sind 2020 mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt er zum Finanziellen. Um es positiv zu formulieren: In diesem Jahr stehe das Buchungssystem für die Zeitslots schon und man könne auf den Erfahrungen aus der letzten Saison aufbauen. Auch das Hygienekonzept werde wahrscheinlich nur mäßig angepasst werden müssen. Eine Öffnung sei in Bönnigheim kurzfristig möglich, sobald die Auswinterung abgeschlossen sei.

Ähnlich sieht es auch im Sachsenheimer Schlossfreibad aus. „Aktuell bringen wir das Freibad in Betriebszustand“, berichtet Holger Vogt, Sprecher des Trägervereins Schlossfreibad, der das Bad betreibt. „Die Reparaturarbeiten müssen so oder so gemacht werden, die Umwälzpumpen, Heiz- und Filteranlagen müssen hochgefahren werden“, sagt er. Kleinere Ausbesserungen an den Fliesen stehen wie nach jedem Winter an, wo kein Wasser steht, platzen die Fliesen teilweise ab. Nach Saisonende werden Eisdruckpolster an die Beckenränder angebracht, die im Frühjahr wieder entfernt werden. Das Wasser bleibt im Winter im gefliesten Becken stehen, um größere Frostschäden zu vermeiden. Wenn diese Arbeiten erledigt sind, könne das Schlossbad aber innerhalb von knapp einer Woche öffnen. Ob dies zum eigentlich angesetzten Öffnungstermin am 13. Mai möglich sei, sei eher fragwürdig bei der aktuellen Corona-Lage. „Wir haben aber eine Verpflichtung gegenüber den 1899 Mitgliedern“, sagt Vogt. Sobald es geht und erlaubt sei, werde auch geöffnet. 2020 wurde ein Negativrekord die Besucherzahlen betreffend aufgestellt. „Es gab drei Bade-Schichten pro Tag mit jeweils maximal 300 Besuchern“, sagt Vogt. Dass es nicht so überfüllt war, habe der eine oder andere Badegast durchaus positiv gesehen, sagt der Vereinssprecher. Natürlich fallen zusätzliche Kosten für Personal und das Heizen an, wenn das Bad offen sei. Eine Öffnung – sobald möglich – stehe aber außer Frage.

Im Badepark Ellental in Bietigheim-Bissingen wurden alle notwendigen Sanierungsarbeiten bereits Anfang des Jahres abgeschlossen, berichtet Isabel Friedrich, Sprecherin der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB). „Derzeit erfolgt die Reinigung der Becken. Die Schwimmbecken werden sukzessive befüllt, sodass es kurzfristig möglich sein wird, das Freibad – unter den dann gültigen Zugangsbedigungen – rasch zu öffnen“, sagt sie weiter. Darüber hinaus haben die Stadtwerke das Zugangssystem weiter optimiert und können künftig die Zu- und Abgänge der Besucher erfassen, sagt Friedrich. Die Neuerung: Sobald während eines Tages noch freie Bademöglichkeiten bestehen, werden diese an eine Anzeige übermittelt. „Aktuell arbeiten wir an einer Onlineplattform“, ergänzt die SWBB-Sprecherin. Dort könne dann der jeweilige Besucherstatus eingesehen werden.

Das Bietigheimer Bad ist im Gegensatz zu den meisten Freibädern im Kreis nicht gefliest, sondern hat Edelstahlbecken. Dadurch, so erklärt Friedrich, fallen die Fliesen-Ausbesserungsarbeiten weg, auch die Eisdruckpolster sind nicht notwendig, wodurch „die Reinigung einfacher und somit auch deutlich hygienischer ist“, sagt die SWBB-Sprecherin. Auch in Bietigheim wird eine Öffnung so bald wie möglich anvisiert, im Regelfall würde das Bad am 1. Mai öffnen. Der nötige Vorlauf zur Öffnung hänge von den Vorgaben der Landesregierung „und der daraus resultierenden Regeln, die wir einhalten müssen, ab“, sagt Friedrich. Wenn das Bad die Vorbereitungen jedoch abgeschlossen hat, reiche vermutlich ein einwöchiger Vorlauf. 2020 öffnete das Bietigheimer Freibad am 19. Juli im Schichtbetrieb mit einer Personenbegrenzung. Durch das umfangreiche Infektionsschutz- und Hygienekonzept sei ein höherer Personalaufwand nötig gewesen, um die Reinigung und Desinfektion in einem festen Turnus zu gewährleisten, berichtet Friedrich. „Mit dem Freibad bieten wir den Bürgerinnen und Bürgern Lebensqualität und insbesondere in einer Pandemie ein Stück Normalität sowie die Möglichkeit etwas Urlaubsfeeling zu verspüren. Es ist uns wichtig, dass wir diese Möglichkeit anbieten“, ergänzt sie.

Das Hohenecker Freibad in Ludwigsburg wiederum sieht derzeit mehr nach Baustelle aus als nach Wasserparadies. Doch das Buddeln, Rohreverlegen und Verfliesen zielt nur auf eines ab: darauf, dass es trotz Corona eine Freibadsaison geben wird. Dafür wird die Anlage derzeit aufgerüstet: So soll eine neue Kleinkind-Wasserlandschaft das Bad für Familien noch attraktiver machen. 650 000 Euro stecken die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) in die Umgestaltung. Außerdem werden rund 1000 kaputte Fliesen ersetzt. „Die Erfahrungswerte vom vergangenen Sommer haben gezeigt, dass der Betrieb auch zu Pandemie-Zeiten funktioniert, wenn das Hygienekonzept eingehalten wird“, sagt Eva Rosenberger von der SWLB-Kommunikation. „Von den Gästen haben wir sehr viel positives Feedback bekommen“, so Rosenberger weiter. Und die Mitarbeiter sehnten sich danach, auch dieses Jahr wieder Badegäste empfangen zu können.

Auch Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger hofft, dass die Stadt den Menschen, die so viele Einschnitte in Kauf nehmen müssen, „das kleine Stück Freiheit“ gewähren und das Freibad in Asperg in diesem Jahr wieder öffnen können. Vergangenes Jahr hatte Asperg schon im April verkündet, das Bad wegen Corona geschlossen lassen zu wollen, den Beschluss aber im Sommer revidiert und doch geöffnet. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass das richtig war. Es lief super“, sagt Eiberger. Es gab Vormittags- und Nachmittagsschichten, in denen jeweils maximal 750 Besucher kommen durften. Wenn es Infektionsgeschehen und Rechtslage zulassen, peilt Asperg dasselbe Procedere an – für den 22. Mai. Eine frühere Eröffnung hält Eiberger angesichts der vielen Unwägbarkeiten für unrealistisch.

 
 
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