Zwei Modelle stehen für die Oberliga zur Debatte 08 und SGV sind für Mammutrunde

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Am Montagabend ist der FSV 08 Bissingen in die Vorbereitung auf die Oberliga-Saison 2020/21 eingestiegen. Zur Begrüßung scharte Trainer Alfonso Garcia (vorne) seine Spieler um sich. ⇥ Foto: Martin Kalb

In der Oberliga stehen zwei Spielmodelle zur Debatte: eine klassische Saison mit Hin- und Rückserie sowie ein Gruppenmodell mit Auf- und Abstiegsrunde. Bissingen und Freiberg präferieren Variante eins.

Am Montagnachmittag hat der Württembergische Fußballverband (WFV) den Rahmenterminkalender für die Saison 2020/21 veröffentlicht. Demnach nimmt die Oberliga Baden-Württemberg am 22. August den Spielbetrieb auf. Der letzte Spieltag im Jahr 2020 steigt am 12./13. Dezember, das Rundenende ist auf den 12. Juni 2021 terminiert.

Nach welchem Modus gespielt wird, steht allerdings noch nicht fest. In der vergangenen Woche stellten der WFV sowie sein badisches und südbadisches Pendant bei einer Videokonferenz mit allen 21 Oberliga-Vertretern zwei Modelle vor. Die eine Variante sieht eine klassische Saison mit Hin- und Rückserie vor. Da es aufgrund des coronabedingten Abbruchs der Spielzeit 2019/20 keine Absteiger, dafür aber vier Aufsteiger gibt, ist das Feld von 18 auf 21 Teams angewachsen. Entsprechend steigt die Zahl der Spieltage auf 40, was für die Vereine einen dicht gedrängten Terminkalender mit vielen englische Wochen bedeutet.

Deutlich weniger Spiele sieht die zweite Variante vor, die zur Debatte steht. Nach einer Einfachrunde mit je zehn Heim- und Auswärtspartien wird die Liga in zwei Gruppen geteilt. Die ersten zehn Mannschaften spielen dann in den Playoffs im Modus jeder gegen jeden den Meister (und direkten Aufsteiger) sowie den Zweitplatzierten aus, der an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga teilnehmen darf. Die übrigen elf Teams ermitteln in den Playdowns die bis zu sieben Absteiger. Die zuvor in der Einfachrunde geholten Punkte nimmt jeder Klub mit. Nach diesem Modell hätten die Playoff-Teilnehmer 29 Begegnungen zu absolvieren. Bei den Vereinen, die in die Abstiegsrunde müssen, sind es 30.

Bis Anfang der Woche hatten die Oberligisten Gelegenheit, sich schriftlich für die eine oder andere Variante auszusprechen. Das Meinungsbild fließt dann in die Entscheidung ein. „Noch haben wir nicht alle Rückmeldungen erhalten. Bei der Videokonferenz war es aber etwa pari pari“, sagt WFV-Mitarbeiter José Macias von der Abteilung Spielbetrieb.

Im Laufe der Woche wird die Spielkommission der Oberliga, die sowohl hauptamtliche als auch ehrenamtliche Verbandsvertreter bilden, final entscheiden. Das Gremium der Regionalliga Südwest, die 2020/21 sogar 22 Teams umfassen wird, hat dies bereits getan und sich auf eine klassische Saison mit Hin- und Rückspiel festgelegt – obwohl nach BZ-Informationen eine knappe Mehrheit das alternative Gruppenmodell favorisiert hatte. Damit ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass auch die Oberliga beim bewährten Modus bleibt.

Das wäre auch im Sinne des FSV 08 Bissingen und des SGV Freiberg. Die einzigen Oberliga-Vereine aus dem Bezirk Enz/Murr präferieren jeweils eine komplette Runde.

„Bei einem schlechten Saisonstart besteht die Gefahr, dass man plötzlich in der Abstiegsrunde landet“, gibt 08-Trainer Alfonso Garcia zu bedenken und weist auf die Tücken der Spielplangestaltung beim Alternativmodell hin: „Es wäre in so einem Fall ja möglich, dass wir in der angedachten Einfachrunde bei den Stuttgarter Kickers oder in Freiberg spielen müssten – und gegen diese Klubs daheim dann später gar nicht mehr antreten dürften. Das würde uns viele Zuschauereinnahmen kosten.“ Sein Fazit: „Das alte System ist fairer. So hat jeder Verein seine Derbys und auch die Kickers mal zu Hause.“

Werner will Chancengleichheit

Christian Werner hat im Namen des SGV Freiberg und nach Rücksprache mit dem Trainerteam ebenfalls für die Mammutsaison plädiert. Der Sportdirektor und promovierte Sportwissenschaftler kennt das Modell mit Playoffs- und Playdowns aus seiner Zeit in Österreich als Manager von Austria Lustenau – und damit auch die Probleme. „Es ist nicht so, dass die Attraktivität und die Spannung automatisch steigen. Im Gegenteil“, sagt Werner und weist auf seine Beobachtungen im Nachbarland hin. Da hätten gerade die Klubs in der Abstiegsrunde oft mit Zuschauerschwund zu kämpfen gehabt.

„Der Teufel steckt im Detail. Allein schon die Einordnung, wer welches Heim- und welches Auswärtsspiel bekommt, ist sehr tricky“, sagt Werner und schlussfolgert: „Die einzig faire Option ist es, Auf- und Abstieg in einer Doppelrunde zu klären. Dann haben alle die gleichen Chancen.“

 
 
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