Bietigheim-Bissingen Teig für 47 Dreikönigskuchen

Von Sandra Bildmann
Gleich 40 Vorbestellungen für die leckeren Hefekuchen gab es in diesem Jahr. Foto: /Oliver Bürkle

Der Backhausverein hat sich auch in diesem Jahr wieder an die Arbeit gemacht und den Ofen angeworfen. Mit dem Verkauf der Hefekuchen unterstützen die Ehrenamtlichen die BZ-Aktion Menschen in Not. 

Man nehme die Legende um den Bohnenkönig aus dem Römischen Reich und den in den 1950er Jahren in der Schweiz wiederbelebten Brauch des Dreikönigskuchens. Dazu etwas Eigeninitiative, eine Handvoll Personal, eine Prise Risikobereitschaft und ein reaktiviertes Backhäusle. Fast fertig ist der Dreikönigskuchen des Bietigheim-Bissinger Backhausvereins.

Die eingebackene Krone inmitten des Hefeteigs haben die hiesigen Hobbybäcker „aus Umwelt- und zahnmedizinischen Gründen durch eine Mandel ersetzt“, wie sie in ihrer Legende erklären. Am 6. Januar wurde er verkauft. Mit ihrer Initiative haben die Ehrenamtlichen, die ihren Verein erst 2019 gegründet haben, offenbar den Nerv der Bürgerinnen und Bürger getroffen und eine Lücke geschlossen: Lange Zeit habe das Metterzimmerer Backhäusle trotz kostspieliger Renovierung vor nicht allzu langer Zeit 364 Tage im Jahr leergestanden, weiß Ute Silcher. Außerdem spiele sich am Feiertag der Heiligen Drei Könige im Ort kulturell nicht so viel ab, erzählt die erste Vereinsvorsitzende und Ideengeberin des Dreikönigskuchens. Vergangenes Jahr verkauften sie ihn zum ersten Mal, doch Masken- und Abstandspflicht hatten Geselligkeit bei der Premierenveranstaltung verhindert. Umso glücklicher waren Silcher und ihre Mitbäcker, dass nun auch in gemütlicher Runde zusammengestanden werden konnte.

40 Vorbestellungen

Zahlreiche Menschen tummelten sich am Dreikönigstag vor dem Metterzimmerer Backhaus. Sie tranken Apfelpunsch und aßen Hefeschnecken, plauderten und lachten. Manche trafen sich zufällig, andere hatten sich verabredet. Das Angebot hatte sich nämlich nicht nur unter den Vereinsmitgliedern herumgesprochen. So hatte sich beispielsweise auch eine zwölfköpfige Wandergruppe aus Untermberg das Backhäusle in Metterzimmern als Ziel ausgesucht. Geworben hatte der Verein natürlich im persönlichen Bekanntenkreis, über die Bietigheimer Zeitung und auf Social Media. 40 Vorbestellungen waren eingegangen. Mit dem Verkauf der Kuchen unterstützen die Ehrenamtlichen die BZ-Aktion Menschen in Not. Der Teig habe letztlich für 47 Dreikönigskuchen gereicht, erzählt Silcher. Dazu gab’s dieses Jahr erstmalig Hefeschnecken aus Dinkelmehl, süße mit Apfel und Haselnuss oder rezent mit Schmand, Frühlingszwiebeln, Käse und wahlweise Speck.

Backerfahrung ist hilfreich

Und sie mundeten den Anwesenden offensichtlich, denn es war nur Lob auf das Backhandwerk zu vernehmen. Damit es gelingt, sei einiges an Erfahrung notwendig, erzählen Aktive des 30 Mitglieder starken Vereins. „Man muss üben. Früher sind uns auch mal welche verbrannt“, berichtet Ute Silcher. Das passiert inzwischen nicht mehr, dank Training, Geduld, Fingerspitzengefühl – und eines Thermometers. Das stecken sie mitunter ins Brot, um die Temperatur zu messen. Denn bei einem Ofen, der Platz für 40 Brote bietet, sei es nicht immer ganz einfach, die richtige Abstimmung zu finden, erläutert Silcher.

80 Backtermine

Den Ofen anzuheizen lohne sich erst ab 20 Broten, also der halben Auslastung, sagt Silcher. Vor der Vereinsgründung sei das Backhäusle mit seinen beiden Holzöfen nur an einem Tag im Jahr genutzt worden. Inzwischen hat sich die Zahl vervielfacht: 20 Backtermine sind im Online-Buchungssystem für 2023 angesetzt. Sie werden den Mitgliedern ein Jahr im Voraus bekannt gegeben und entstehen in Abstimmung mit dem Kleinsachsenheimer Backhausverein. „Es ist umweltfreundlicher. Durch die Kooperation können wir Synergien herstellen“, betont sie. Zumal das Kleinsachsenheimer Backhaus derzeit außer Betrieb ist.

Entstanden ist die Idee zur Gründung des Bietigheim-Bissinger Backhausvereins einst, als Ute Silcher bei den Landfrauen in Hohenhaslach mitgebacken und vom ehemaligen Bietigheim-Bissinger Bürgermeister Joachim Kölz erfahren hatte, dass in Metterzimmern ein betriebsbereites Backhäusle steht. Dieses darf der Verein nun mietfrei nutzen, was man sehr schätze, betont Ute Silcher. Bedanken mochte sie sich auch ausdrücklich bei der Familie Hübner, die als Besitzer der Mettermühle das Mehl für die Dreikönigskuchen gespendet hat.

Neue Tradition

Seinen Dreikönigskuchen
will der Backhausverein Bietigheim-Bissingen e.V. zur Tradition machen. Auch weitere Aktivitäten sind geplant, darunter die Bewirtung beim örtlichen Flohmarkt im Mai und eine erneute Mitwirkung beim Sommerferienprogramm.

 
 
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