Gemeinderat beschließt das Aus für 2020 Bietigheimer Pferdemarkt fällt dieses Jahr aus

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Foto: Martin Kalb

Der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat hat das Aus für die Großveranstaltung in diesem Jahr beschlossen. Auch viele andere Veranstaltungen fallen dem Coronavirus zum Opfer.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing hatte gegenüber der BZ bereits angedeutet, dass es dieses Jahr aufgrund der Infektionsrisiken vermutlich keinen Pferdemarkt geben wird. Nun ist es amtlich: Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Dienstagabend einstimmig beschlossen, die Großveranstaltung Anfang September abzusagen. Die Stadträte, die zur Einhaltung der Abstandsregeln im Kronenzentrum tagten, folgten damit dem Vorschlag der Stadtverwaltung.

Zwar wird der Zeitraum ab 1. September 2020 bislang nicht von den Corona-Regelungen erfasst. Die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg, ergänzt durch einen unbefristeten Erlass des Sozialministeriums Baden-Württemberg, lässt Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern nicht mehr zu, eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern schreibt vor, dass diese Regelung mindestens bis Ende August 2020 gelten soll. Kessing geht jedoch davon aus, dass die Verbote verlängert werden, wahrscheinlich bis zum Jahresende. Große Volksfeste mit mehreren 100 000 Besuchern seien „aus infektions-hygienischer Sicht“ kaum zu beherrschen, weshalb beispielsweise auch in Bayern das Oktoberfest flach fällt. Vor diesem Hintergrund empfahl er, den Pferdemarkt dieses Jahr abzusagen, so bedauerlich das sei.

Auf die Frage von Stadträtin Karin Wittig (CDU), ob deshalb Regressforderungen drohten, erklärte Bürgermeister Joachim Kölz, die Stadtverwaltung sei „in guten Gesprächen“ mit dem Pächter des Festplatzes – der Firma Göckelsmaier –, er gehe davon aus, dass es ohne Regress gehe.

Keine größeren Veranstaltungen bis zum Ende der Sommerferien

Zugleich wurde in der Sitzung beschlossen, dass aufgrund der Infektionsrisiken bis zum Ende der Sommerferien generell keine größeren Veranstaltungen stattfinden sollen. Neben dem Pferdemarkt gilt das für das Bietigheimer Wunderland, das Bissinger Weindorf, Konzerte auf dem Festplatz und in der Innenstadt, Messen, verkaufsoffene Sonntage und Einkaufsveranstaltungen in der Innenstadt und in den Ortsteilzentren sowie Sportveranstaltungen mit vielen Teilnehmern.

Den privaten Veranstaltern, wie Vereinen, Kirchen und sonstigen Institutionen, wird empfohlen, ebenfalls auf solche größere Veranstaltungen zu verzichten. Die Stadt werde keine öffentlichen Plätze, Straßen und Anlagen für die Durchführung von Veranstaltungen zur Verfügung stellen, so der Gemeinderatsbeschluss. Ebenfalls nicht vermietet werden die Versammlungsräume im Kronenzentrum, in der Kelter und im Kleinkunstkeller sowie in allen sonstigen städtischen Gebäuden. Städtisches Material wie Biertischgarnituren, Absperrungen, Überdachungen oder technische Ausstattung wird nicht zur Verfügung gestellt. „Es ist gegenwärtig nicht die Zeit der großen Feste“, sagte OB Kessing.

Was kleinere Veranstaltungen mit weniger als 1000 Teilnehmern betrifft, so gibt hier der Erlass des Landes die Empfehlung, eine individuelle Einschätzung durchzuführen, welche Risiken bestehen und ob diesen mit infektions-hygienischen Maßnahmen begegnet werden kann. Die Stadtverwaltung hat dazu eine klare Meinung: Wie Kessing erklärte, seien auch Feste und Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern kritisch zu sehen. Auch hier ließen sich in der Regel beispielsweise die Abstandsgebote zwischen den Besuchern nicht sinnvoll einhalten.

Wunsch nach Alternativen

Daher habe die Verwaltung bereits frühzeitig die Veranstaltungen seit Mitte März abgesagt und rege an, auch weiterhin, zumindest bis zum Ende der Sommerferien, auf offene Veranstaltungen zu verzichten. Die Veranstaltungen der Stadt sollen daher abgesagt oder verschoben werden. Den Vereinen, Kirchen und sonstigen Institutionen werde dringend empfohlen, ebenso zu verfahren, so Kessing. Jedenfalls soll es auch in diesen Fällen keine städtische Unterstützung durch Räume, Material und Personal geben.

Traute Theurer, die Fraktionsvorsitzende der GAL, brachte ihr Bedauern über die Absage des Pferdemarkts zum Ausdruck. Sie wollte wissen, ob man sich in der Verwaltung Gedanken über Alternativveranstaltungen gemacht habe.

Thomas Wiesbauer, der Sprecher der CDU-Fraktion, wies auf Hilferufe der Vereine hin und regte kleine Angebote als Alternativen an. Kessing sagte dazu, zum jetzigen Zeitpunkt sei es verfrüht, anzukündigen dieses oder jenes zu machen. Wenn sich die Corona-Lage entschärfen sollte, müsse man kurzfristig überlegen.

Günter Krähling, SPD-Stadtrat und Vorsitzender des TSV, fand es vor allem wichtig, dass die Menschen wieder Sport treiben könnten. Auch dazu gibt es derzeit eine ganze Reihe von Auflagen durch das Land.

Wie in Bietigheim-Bissingen nach den Sommerferien weiter verfahren wird, soll entschieden werden, sobald die Entwicklung der Infektionszahlen neue Einschätzungen zulassen und nähere Regelungen von Bund und Land getroffen werden.

Weitere Veranstaltungen, die verlegt wurden

Für einige der zahlreichen Veranstaltungen in Bietigheim-Bissingen, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurden, stehen Ersatztermine fest, teilweise erst im nächsten Jahr. Dies gilt laut Stadtverwaltung unter anderem für folgende Termine:

Live am Viadukt: Der Auftritt von Wincent Weiss am 25. Juni 2020 wurde auf 24. Juni 2021 verlegt. Rin und Bausa werden statt am 26. Juni 2020 am 26. Juni 2021 zu Gast sein.

Bietigheimer Wunderland: Die Veranstaltung wurde vom 10./11. Juli 2020 auf den 9./10. Juli 2021 verlegt.

AutoMobil-Messe: Die Veranstaltung der Bietigheimer Mediengesellschaft findet statt am 16./17. Mai am 26./27. September 2020 statt.

Schlossfestspiele: Vom 6. Mai auf den 15. November 2020 wurde die Vorstellung von Diálogos Flamenco Barroco in der Kelter im Rahmen der Festspiele verschoben.⇥um

 
 
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