Historische Mühle im Enzpark Besigheim Gericht oder Gespräche?

Von Michael Soltys
Der Gegenstand des Konflikts: die restaurierte Mühle im Enzpark von Besigheim. Foto: Oliver Bürkle

Noch sprechen die Anwälte, aber in den Konflikt um den Betrieb der historischen Mühle im Enzpark kommt Bewegung: Der CDU-Stadtverband fordert Betreiber Kollar und Bürgermeister Bühler zum Dialog auf.

Sind die Fronten verhärtet und müssen Gerichte in dem Konflikt entscheiden? Oder kommt es doch noch zu einer einvernehmlichen Lösung? In die Auseinandersetzung um den Betrieb der historischen Mühle im Enzpark ist jedenfalls Bewegung gekommen.

Seit Monaten schon eskaliert wie berichtet der Streit um die historische Mühle an der Enz. Vordergründig geht es aus Sicht der Stadt um angebliche Schäden, die das von Hansjörg Kollar betriebene Mühlrad am früheren Mühlengebäude verursacht haben soll. Kollar sieht sich gegängelt, hält das für vorgeschoben, rätselt aber, welches Ziel hinter dem Vorgehen der Stadt steckt. Er sieht den Betrieb „seiner Mühle“ in Gefahr, die er Anfang der 2000er-Jahre mit Hilfe der Lokalen Agenda restauriert hatte.

Besigheim setzt Kollar Ultimatum

Die Stadt wiederum hatte Kollar über ihren Anwalt eine Art Ultimatum gesetzt, die Vibrationen der Mühle, in denen sie die Ursache des Schadens sieht, abzustellen. Beide Seiten berufen sich auf einen Nutzungsvertrag, den sie im März 2019 miteinander abgeschlossen haben, nachdem die Stadt die Mühle selbst und das Gelände vom früheren Besitzer gekauft hatte – wohl um mehr Gestaltungsspielraum im neuen Enzpark in unmittelbarer Nähe des jüngst eröffneten Spielplatzes zu bekommen.

Mit seinen Argumenten wandte sich Kollar jetzt an den Gemeinderat, in dem er selbst seit 17 Jahren ehrenamtlich tätig ist. Dem Gremium legte er Auszüge aus dem Nutzungsvertrag vor, um seine Position zu belegen. Sein Ziel: Er wünsche sich die Unterstützung des Gemeinderates, um die Verwaltung dazu zu bewegen „mit mir Gespräche zu führen“, wie er am Schluss des Schreibens betont.

Gleichzeitig sucht er auf juristischem Weg seine Rechte zu wahren, wie er gegenüber der BZ sagte: In einem Schreiben an die Stadt machte er jetzt im Gegenzug selbst Forderungen von mehr als 32 000 Euro geltend. Bei Bauarbeiten nahe der Mühle auf Veranlassung der Stadt sollen laut Kollar Schäden am Zahnrad entstanden sein, deren Beseitigung alleine rund 28 000 Euro kostet. Sein Ziel: Die Stadt solle diese Schäden ihrer Versicherung melden, was bisher versäumt worden sei.

Vergiftete Atmosphäre

Die Gräben sind tief, „die Atmosphäre ist vergiftet“, sagt Helmut Fischer, Fraktionschef von Bündnis Mensch und Umwelt, dem Kollar angehört. Fischer sieht sich selbst als Moderator eines Streits, der zwischen Kollar und Bürgermeister Steffen Bühler geführt wird. Nach einer Anhäufung von kleineren Fechtereien sei irgendwann einmal eine rote Linie überschritten worden. Er selbst sei deshalb mehrfach von Kollar zu Gesprächen mit Bühler hinzugezogen worden.

Dabei sieht Fischer durchaus praktikable Lösungen. Ein Konfliktpunkt ist das Wegerecht. Laut Kollar hat Bühler von ihm verlangt, jedes mal eine Genehmigung einzuholen, wenn er zu der Mühle fahren wolle, auch für Wartung und Reparatur. Damit sollen wohl Konflikte mit Veranstaltungen oder Bewirtungen nahe der Mühle vermieden werden. „Doch wie wahrscheinlich ist eine solche Situation“, fragt sich Fischer. Kollar jedenfalls sei der richtige Mann für den Betrieb der Mühle, die eine Bereicherung für den Enzpark sei.

Das sieht der Stadtverband der CDU ganz ähnlich. Dessen Vorsitzender Uttam Das spricht sich in einer Mitteilung für einen „schlichten Dialog unter Vermittlung Dritter“ aus. Die CDU befürchtet, dass der gute Ruf Besigheims als „schönster Weinort Deutschlands“ Schaden nehmen könne, wenn gegenseitige Vorwürfe über Monate „in der Öffentlichkeit breitgetreten würden“. Die CDU erwarte eine zügige und geräuschlose Lösung. Die Meinung beim jüngsten Stammtisch der CDU fasst Uttam Das so zusammen: „Vor allem das Rathaus habe Verantwortung für das städtische Ansehen.“

 
 
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