Ordination in Bönnigheim Neues Pfarrer-Paar will für Veränderung einstehen

Von Susanne Yvette Walter
Ordinationsgottesdienst in der Cyriakuskirche Bönnigheim (von links): Schuldekan Andreas Löw, die neuen Pfarrer Lorenz Kohl und Maren Striebel sowie Dekan Eberhard Feucht. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Zwei Vikare wurden am Sonntag in der Cyriakuskirche in den Pfarrerstand erhoben. Das Paar verlässt den Landkreis.

In einer besonderen kirchlichen Feierstunde mit anschließendem Ständerling bei Sekt und Sonnenschein im Kirchhof der Bönnigheimer Cyriakuskirche wurden Vikarin Maren Striebel aus Kirchheim und Lorenz Kohl, Vikar in Bönnigheim, nach zweieinhalb Jahren Vikarstätigkeit in den Pfarrstand erhoben.

Viele Gläubige, der Posaunenchor und kirchliche Würdenträger begleiteten die Ordination. Dekan Eberhard Feucht spürte dem Gedanken nach, welche Rollen ein Pfarrer heute erfüllen sollte. Der Dekan befasste sich gedanklich mit dem Wesen des Pfarrers heute. „Eigentlich will er Prophet sein. Er rangiert aber auch zwischen Verwaltungsbeamtem und geistlichem Freizeitanimateur.“

Hoffnung spenden

Obwohl die Strukturfrage dränge, bleibe doch eines konstant: „Mit eigenen Gaben dienen sie dem Wohl aller im Dienste Christi. Niemand darf bekanntlich in der Kirche Sakramente verabreichen ohne ordnungsgemäße Berufung, deshalb ist die Ordination ein wesentlicher rechtlicher und geistlicher Akt“, machte Dekan Feucht deutlich.

Die Aufgaben der Pfarrer bestünden vor allem in schweren Zeiten wie diesen darin, Hoffnung zu spenden und ein Bindeglied zu sein zwischen dem irdischen und dem himmlischen Leben. Dekan Feucht: „Gerade in den letzten Wochen haben ja viele von uns das Fürchten neu gelernt. Alte Gewissheiten sind in Minuten zerbrochen beim Krieg in Europa. Und doch sind auch Pfarrer nur Menschen und gefährdet, sich selbst in Furcht aufzulösen. Da hilft nur Gottes Wort.“ Zu dem Paar sagte er: „Sie beide bringen einen bunten Strauß an Kompetenzen mit in herausfordernden Zeiten wie diesen.“

„Keine verstaubte Kirche“

Striebel und Kohl erzählten im Rahmen der Ordination von ihrem Werdegang, ihren Vorstellungen und von ihren Zukunftsplänen: Maren Striebel hat in Berlin, Rom und Tübingen studiert. Die letzten zweieinhalb Jahre war sie als Vikarin in Kirchheim aktiv: „Ich möchte an einer Kirche mitarbeiten, die sich bewusst ist, dass sie Gemeinschaft aller Getauften ist, eine Kirche, die nicht als verstaubt abgetan wird, wo Traditionen neu gelernt und verstanden werden, damit der Schatz, den Kirche bietet, neu zugänglich wird.“ Sie stehe für eine Kirche, die offen sei für die Bedürfnisse ihrer Mitglieder.

Striebel und Kohl sind verheiratet und haben Nachwuchs bekommen. Sie wechseln beide von Bönnigheim/Kirchheim nach Dettingen. Maren Striebel hat eine Sonderpfarrstelle Seelsorge im Pflegeheim Nürtingen und macht in diesem Rahmen in den nächsten zwei Jahren eine Fortbildung mit dem Schwerpunkt Seelsorge. Die Studienkollegin von Maren Striebel, Carolin De Campos, heute Pfarrerin in Schwäbisch Gmünd, fand klare, treffende Worte für die soziale Seele der scheidenden Kirchheimer Vikarin: „Es gab kaum einen Moment, wo du nicht sagtest: Komm doch vorbei. Ich höre dir zu.“

Lorenz Kohl hat ebenfalls in Tübingen und Rom Geschichte und Theologie studiert. Er verbrachte sein Vikariat in Bönnigheim und stellte dabei fest: „Die Kirche muss sich immer selbst verändern. In den zweieinhalb Jahren haben wir schon vieles bewegt: Die Kirche, in der ich arbeiten möchte, wird demnach eine andere sein wie die, in der ich groß geworden bin. Es gibt immer wieder Veränderungen, und die sind auch gut so.“

Ungewöhnlicher Weg

Die Liebe zu Rom, zur Kultur und zu Land und Leuten haben Lorenz Kohl geprägt. Auch als Lehramtsabsolvent wurde ihm der Zugang zum Vikariat ermöglicht. Das ist ein ungewöhnlicher Weg. Seine Entscheidung, evangelische Religion und Geschichte auf Lehramt zu studieren, bereut Lorenz Kohl dennoch nicht: „Beide Fächer haben mir extrem viel Spaß gemacht“, sagt er. Erste Zweifel am Lehrerberuf kamen ihm in seinem Praxissemester in einer Schule in Ulm im Winter 2013. Als Pfarrer habe er das Unterrichten zwar auch, aber eben nicht nur. Es gebe „viel mehr unterschiedliche Aufgaben, mehr Dinge, in die man sich reindenken muss“.

Info Zur Vorbereitung auf das Pfarramt absolvieren künftige Seelsorger das Vikariat. Es dauert zweieinhalb Jahre. An die folgende Ordination schließt sich ein mindestens dreijähriger Probedienst an.

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