Besser Heizen Pellets: Zum Verheizen zu schade

Von Claudia Mocek
Eine Tonne Pellets kostet heute bereits rund 350 Euro. Foto: Rainer Sturm/Pixelio

Kann Biomasse als Energieträger für Verbraucher eine Alternative zu Öl und Gas sein? Die BZ hat bei der Energieagentur Kreis Ludwigsburg nachgefragt.

Eignet sich Biomasse als Energieträger für eine zukunftsfähige Heizung? Nur bedingt, sagt Raphael Gruseck, Projektleiter Wärmewende bei der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA), die in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Energieberatung anbietet.

Um das Haus mit Holz zu beheizen, können Pellets verwendet werden. Doch ist das zukunftsfähig? „Eine Pellet-Heizung ist etwas für ein schlecht dämmbares Schloss“, sagt Gruseck und lacht. Schon für ein teilsaniertes Einfamilienhaus sei eine Pellet-Heizung überdimensioniert. In einen Neubau würde eine solche Heizung heute auf keinen Fall mehr eingebaut. Gruseck ist überzeugt: „Die Entwicklung drängt die Pellet-Heizung aus dem Markt.“

Unikat Pellet-Heizung

Die Heizungen seien eher Unikate, für die man einen großen Lagerraum benötigt, der ein- bis zweimal im Jahr gefüllt wird. Beim Betrieb der Heizung müsse die Asche entfernt werden – auf jeden Fall sei sie aufwendiger als etwa eine herkömmliche Ölheizung. Die wichtigsten Punkte, die gegen eine Pellet-Heizung sprechen, seien die Nachhaltigkeit und steigende Kosten. Der Kauf von Pellets sei derzeit noch günstig, der Preis sei im Vergleich zum letzten Jahr um 50 Prozent gestiegen. Heute kostet eine Tonne Pellets rund 350 Euro.

Derzeit würden die stäbchenförmigen Pellets, die aus Sägenebenprodukten hergestellt werden, noch aus lokalen Vorkommen in Baden-Württemberg stammen, erläutert Gruseck, – noch. Doch mit steigender Nachfrage werde die lokale Herstellung eine geringere Rolle spielen, die Pellets kämen dann auch aus dem Ausland. Dann seien die Transportwege nicht mehr nachhaltig. Zum Teil würde auch für die Produktion der Pellets sogar Stammholz statt Sägenebenprodukten verwendet. Der Projektleiter rechnet zudem damit, dass die Pellets dann auch teurer werden.

Einst Vorreite beim zukunftsfähigen Heizen

Aber galten Pellet-Heizungen nicht in den 1990er Jahren als Vorreiter in Sachen zukunftsfähiges Heizen? „Ja“, sagt Gruseck, „aber heute ist klar, dass auch die Holzverbrennung nicht klimaneutral ist. Es braucht 50 bis 100 Jahre bis der Wald nachwächst, dies sei jedoch viel zu spät für einen Klimawandel, der bereits heute stattfindet.“ Aus Sicht des Energieberaters ist Biomasse unterm Strich „für die Wärmeerzeugung viel zu schade“. Auch die Luftreinhaltung und Feinstaubemissionen würden gegen den vermehrten Einsatz von Holzheizungen sprechen.

Energieträger Wasserstoff

Wie sieht es mit synthetischen Energieträgern aus? „Es stimmt zwar, dass die Gasnetze auf Wasserstoff umgestellt werden könnten“, sagt Gruseck. Aber die Endgeräte und auch die Dichtungen müssten ausgetauscht werden. „Eine Erdgasheizung von heute lässt sich nicht mit Wasserstoff betreiben“, stellt der Berater klar.

Wenn man den Wirkungsgrad von Wasserstoff betrachtet – also den Anteil, mit dem zugeführte elektrische Energie in Heizenergie umgewandelt wird – liege dieser beim Heizen mit Wasserstoff bei rund 60 Prozent. Zum Vergleich: Der Wirkungsgrad von direktem Strom in einer Wärmepumpe liegt bei 300 Prozent. „Wir müssten fünfmal so viel Energie durch Erneuerbare gewinnen, um den benötigten Wasserstoff zu produzieren“, sagt Gruseck.

Synthetische Kraftstoffe als Alternative?

Er rechnet damit, dass 2030 der Import von Wasserstoff einsetzen wird. Denn in der Industrie werde er benötigt – für Düngemittel, chemische Rohstoffe, Stahl, Langstreckenflüge und anderes – dort sei man allerdings auch bereit, deutlich höhere Preise zu bezahlen. Für die Mehrheit der Bevölkerung brauche es kostengünstige, aktuell bereits verfügbare Lösungen.

Auf Basis von Wasserstoff lassen sich sogenannte synthetische Brennstoffe herstellen – das ist allerdings ein verlustbehafteter und damit teurer Prozess. „Die Mengen an grüner Energie, um unser fossiles Energiesystem auf Basis synthetischer Brennstoffe weiterlaufen zu lassen, werden wir gar nicht haben“, ist Gruseck überzeugt: „Synthetische Kraftstoffe sind zu teuer und zu wertvoll, um einfach verbrannt zu werden.“

Unsere Artikelserie zum Thema Besser Heizen

1. Welche Heizung ist die richtige?

► 2. Pellets: Zum Verheizen zu schade

3. Heizen ohne eigene Anlage

4. Wärmepumpe: Nicht nur mit Fußbodenheizung

5. Solarthermie: Von der Sonne verwöhnt

6. Erster Schritt: Sanierungsfahrplan

Besser Heizen

In Zusammenarbeit mit der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA) stellt die BZ Heizungsalternativen zu Öl und Gas vor. Die LEA bietet in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Energieberatungen an.

 
 
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